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    Wildtierfreundliche Landwirtschaft

    Von einer nachhaltigen Schweizer Landwirtschaft erwarten wir, dass sie den einheimischen Wildtieren im Kulturland eine dauerhafte Existenz ermöglicht.

    Ziele

    Mit der Revitalisierung des Landwirtschaftsraums können die Schweizer Bauern bleibende Werte für Natur und Landschaft schaffen. Unsere Vision sind mindestens 15 % hochwertige Biodiversitätsförderflächen auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche und der Einsatz schonender Formen der Bearbeitung und Ernte auf den Produktionsflächen. Damit ist die Zukunft der Wildtiere im Kulturland gesichert.

    Unser Standpunkt:Wildtierfreundliche Landwirtschaft

    Vorgehen

    Mit Information, Aufklärung und Vorzeigeprojekten setzt sich die Schweizerische Vogelwarte Sempach für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft ein.

    Wir erwarten, dass

    • die Landwirtschaft auf die in der Bundesverfassung verankerte Multifunktionalität setzt und nicht nur Lebensmittel, sondern auch Artenvielfalt produziert,
    • die Landwirtschaft die Vielfalt an typischen Wildtieren und Wildpflanzen des Kulturlandes mit qualitativ hochwertigen ökologischen Ausgleichsflächen und mit angepassten Anbaumethoden fördert,
    • die landwirtschaftliche Ausbildung und Beratung ökologische Aspekte verstärkt gewichtet und wildtierfreundliche Anbauverfahren vermittelt,
    • die Politik für eine schrittweise Verlagerung von den allgemeinen zu den ökologischen Direktzahlungen sorgt,
    • die Politik die ökologischen Direktzahlungen stärker mit den Lebensraumansprüchen typischer und bedrohter Wildtiere des Kulturlandes verbindet.

    Bedeutung

    Eine wildtierfreundliche Landwirtschaft ist für das Überleben zahlreicher Tierarten von existenzieller Bedeutung. Ohne Rebhuhn, Kiebitz, Steinkauz, Wiedehopf, Feldlerche, Gartenrotschwanz und Grauammer würde das Kulturland zu einer reinen "Agrarwüste" verkommen. Mit einer wildtierfreundlichen Landwirtschaft entsteht für die Bevölkerung eine belebtere und gesündere Umwelt mit erlebnisreichen Landschaften und mehr Lebensqualität.

    Ergebnisse

    Gemeinsam mit den lokalen Landwirten und weiteren Partnern können wir aufzeigen, wie Landwirtschaftsgebiete aufgewertet werden können (Klettgau, Wauwilermoos, St. Galler Rheintal, Kulturlandschaft Weidist) und dass solche regionalen Aufwertungsprojekte auch zu einer Zunahme der Artenvielfalt führen. Für die Förderung der Biodiversität ist entscheidend, dass genügend Biodiversitätsförderflächen angelegt werden und dass diese eine hohe ökologische Qualität aufweisen. Als sehr wertvoll zeichnen sich immer wieder Bunt- und Rotationsbrachen aus.

    Massnahmen zur Förderung der Biodiversität werden von den Landwirten auf ihrem Betrieben umgesetzt. Eine gute Beratung ist dazu sehr förderlich. Insbesondere die Gesamtbetriebliche Beratung, wo der Betrieb sowohl ökologisch als auch ökonomisch als Ganzes betrachtet wird, hat sich sehr bewährt. In den Projekten "Mit Vielfalt punkten" und "Lebensraumverbundsystem St. Galler Rheintal" haben so über 50 Landwirte Vereinbarungen zur ökologischen Aufwertung ihrer Betriebe abgeschlossen. Bei der Beratung haben sich auch die Leitartenkarten und das Punktesystem Biodiversität bewährt.

    In enger Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsorganisationen und Marktpartnern sorgen wir dafür, dass naturnah produzierte Lebensmittel auf dem Markt angeboten und fair entschädigt werden (Wiederanbau Emmer u. Einkorn, TerraSuisse bei Migros und IP-Suisse).

    Projektleitung

    Simon Birrer, Markus Jenny

    Partner

    IP Suisse
    Forschungsinstitut für den biologischen Landbau FiBL
    Migros
    Zahlreiche lokale und regionale Partner

    Donatoren

    Zahlreiche Projekt-Donatoren

    Publikationen

    Zellweger-Fischer, J., P. Althaus, S. Birrer, M. Jenny, L. Pfiffner & S. Stöckli (2016):
    Biodiversität auf Landwirtschaftsbetrieben mit einem Punktesystem erheben.
    Birrer, S., M. Jenny, F. Korner-Nievergelt, K. Meichtry-Stier, L. Pfiffner, J. Zellweger-Fischer & J.L. Zollinger (2013):
    Ökologische Vorrangflächen fördern Kulturlandvögel
    Birrer, S., P. Mosimann-Kampe, M. Nuber, S. Strebel & N. Zbinden (2013):
    Ökologischer Ausgleich und Brutvögel - das Beispiel Grosses Moos 1997-2009.
    Pasinelli, G., K. Meichtry-Stier, S. Birrer, B. Baur & M. Duss (2013):
    Habitat Quality and Geometry Affect Patch Occupancy of Two Orthopteran Species.
    Zollinger, J. L., S. Birrer, N. Zbinden & F. Korner-Nievergelt (2013):
    The optimal age of sown field margins for breeding farmland birds.
    Chevillat, V., O. Balmer, S. Birrer, V. Doppler, R. Graf, M. Jenny, L. Pfiffner, C. Rudmann & J. Zellweger-Fischer (2012):
    Gesamtbetriebliche Beratung steigert Qualität und Quantität von Ökoausgleichsflächen.
    Jenny, M. & R. Obrist (2012):
    Den gesellschaftlichen Ansprüchen anpassen.