Nutzung von Nassreisfeldern durch Vögel: Bericht 2021
Zusammenfassung
Erste Anbauversuche seit 2017 zeigen, dass der Anbau von Nassreis in der Schweiz nördlich der Alpen das Potenzial für ein rentables Nischenprodukt bietet. Da Nassreisfelder von Mai bis September unter Wasser stehen, stellen sie während dieser Zeit künstliche temporäre Feuchtgebiete dar. Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass die Nassreisfelder als Lebensraum für bedrohte Arten dienen. Bisher fehlten Untersuchungen zur Nutzung von Nassreisfeldern durch Vögel. Mit Hilfe von Freiwilligen und Wildkameras untersuchte die Schweizerische Vogelwarte Sempach im Jahr 2021 an sieben Reisfeldern in der Schweiz, welche Vogelarten die Reisfelder nutzen und wie sie sich dabei verhalten.
Insgesamt wurden 94 Vogelarten nachgewiesen. 29 der nachgewiesenen Vogelarten sind auf Feuchtgebiete als Lebensraum angewiesen, darunter zwölf Limikolen-Arten. Von den Ziel- und Leitarten der Umweltziele Landwirtschaft wurden 23 Arten nachgewiesen. Reisfelder werden regelmässig zur Nahrungssuche aufgesucht. Nur wenige Arten nutzten das Reisfeld zum Brüten, z.B. eine Stockente das Feld beim Wasserschloss Brugg AG. Hingegen suchten mehrere Vogelarten im/am Reisfeld Nistmaterial. Ausserhalb der Brutzeit wurden die Reisfelder auch als Rast- oder Schlafplatz genutzt.
Die Untersuchungen zeigen, dass die Reisfelder insbesondere für auf Feuchtgebiete angewiesene Vogelarten attraktiv sind. Eine Flutung der Felder Ende Mai kommt jedoch für viele dieser Arten – Brutvögel und Durchzügler – zu spät. Es bietet sich an, die Reisfelder versuchsweise bereits im März zu fluten, um die Attraktivität für Vögel zu erhöhen.
Die meisten typischen Vogelarten des Kulturlands brüten nicht im Reisfeld selbst. Reisfelder können somit biodiversitätsfreundliche Strukturen, Biodiversitätsförderflächen und Massnahmen in den Kulturen nicht ersetzen. Vielmehr kann ein Reisfeld ein wichtiges Element einer biodiversitätsfreundlichen Kulturlandschaft sein, indem es für eine Vielzahl von Vogelarten ein günstiges Habitat für die Nahrungssuche bietet. Es ist davon abzuraten, Reisfelder anstelle bestehender Biodiversitätsförderflächen, natürlicher Feuchtgebiete oder anderer ökologisch wertvollen Flächen anzulegen. Die Neuschaffung von Reisfeldern anstelle intensiv bewirtschafteter Flächen oder von Gewächshäusern ist aus ökologischer Sicht zu begrüssen und kommt so auch den Vögeln zugute.
Mitarbeitende