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Gibt es Daten zum Rückgang der Insektenbiomasse in der Schweiz?: Kurzfassung der Resultate aus Literaturrecherche und Interviews von Fachpersonen

Guyot, Claire; Birrer, Simon; Jenni, Lukas
Sprache
ger
Veröffentlichungsjahr
2018

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Zusammenfassung

Insekten sind eine sehr wichtige Nahrungsquelle für viele Vogelarten. Selbst Körnerfresser wie Sperlinge und viele Finkenvögel ziehen ihre Brut mit Insektennahrung auf. Ein Rückgang der Insektenbiomasse könnte ein ausschlaggebender Grund für den Rückgang vieler Vogelarten im Kulturland der Schweiz sein.

Diverse Untersuchungen belegen, dass die Diversität (Artenzahl und -zusammensetzung) der Insekten in Mitteleuropa und in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten deutlich rückläufig war. Mit grosser Wahrscheinlichkeit gilt dies auch für die Biomasse der Insekten, doch darüber gibt es aus Mitteleuropa nur ganz wenige Untersuchungen, und aus der Schweiz waren uns überhaupt keine Angaben bekannt.

Um Klarheit über den aktuellen Kenntnisstand in diesem Themenbereich zu gewinnen, führte Claire Guyot im Winter 2016–2017 im Rahmen einer Praktikumsarbeit an der Schweizerischen Vogelwarte eine Literaturrecherche und eine Umfrage bei Entomologen an verschiedenen Fachinstituten in der Schweiz durch.

Folgende Fragen standen im Vordergrund

· Gibt es Datenreihen, welche die Entwicklung der Insektenbiomasse in der Schweiz belegen?

· Gibt es alte Aufnahmen zur Insektenbiomasse in der Schweiz, die in Zukunft allenfalls wiederholt werden könnten?

Insgesamt wurden rund 1700 Publikationen zum Thema gesichtet und 33 Experten kontaktiert.

Es bestätigte sich, dass es zwar zahlreiche Publikationen zum Rückgang der Insektendiversität in der Schweiz gibt, aber keine publizierten Daten zur Veränderung der Insektenbiomasse.

Es gibt jedoch drei Projekte, in denen (mit standardisierten Methoden) quantitative Insektendaten gesammelt wurden. Bei diesen könnte die Biomasse nachträglich abgeschätzt werden: Tagfalterdaten aus dem Biodiversitätsmonitoring Schweiz (=BDM), Nachtfalterdaten von Ladislaus Reser (Rezbanyai-Reser 1988, 2003) und die Tagfalter- sowie Heuschreckendaten von Georg Artmann (Artmann-Graf 2015, 2017). Allerdings haben alle diese Projekte methodische Schwachpunkte: Sie reichen nur wenige Jahre zurück (BDM), betreffen nur eine Insektengruppe (BDM, Sammlung Reser), wurden jedes Jahr an anderen Standorten erhoben (Aufsammlung Reser) und/oder die Methode zur Aufsammlung ist stark auf die Person zugeschnitten und kann somit von anderen Personen kaum wiederholt werden (Sammlung Artmann). Einige weitere Untersuchungen könnten allenfalls mit weiteren Einzeluntersuchungen ergänzt werden, so dass eine langfriste Entwicklung abgelesen werden könnte. Dazu bräuchte es vorerst vertiefte Abklärungen.

Es gibt heute vermutlich weniger Insekten als vor Jahrzehnten. Die vorliegende Literaturrecherche und Umfrage zeigt jedoch, dass der Rückgang der Insektenbiomasse nicht quantifiziert werden kann. Ein Monitoringprogramm zur Insektenbiomasse wäre dringend.

Mitarbeitende