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Von der Weidenmeise gezimmerte Bruthöhle (Bildmitte) in einer geringelten und später zusammengebrochenen Buche im Solothurner Mittelland.

© Walter Christen
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Die Mönchsmeise: auf dem Weg zur Aufspaltung?

In der Schweiz kommen zwei Gesangsformen der Mönchsmeise vor. Die Weidenmeise lebt im Jura, in den Voralpen und lokal im Mittelland, die Alpenmeise ist auf die Alpen beschränkt. Da auch die ökologischen Ansprüche voneinander abweichen, könnten sich die beiden Formen mit der Zeit in zwei Arten entwickeln.

Bei vielen Vogelarten, speziell bei Singvögeln, spielt der Gesang bei der Partnersuche eine wichtige Rolle. Er erlaubt es vor allem den Weibchen, Männchen der eigenen Art nicht mit solchen nahe verwandter Arten zu verwechseln. So sehen beispielsweise die beiden Laubsängerarten Zilpzalp und Fitis zwar sehr ähnlich aus, singen aber ganz unterschiedlich. Aus diesem Blickwinkel ist die Vorstellung naheliegend, dass sich Populationen einer Art, die nicht identisch singen, mittel- bis langfristig in zwei oder mehr Arten aufspalten können.

Das wäre auch beim Unterartenkomplex der Mönchsmeise denkbar. Zwei Gesangsformen kommen in der Schweiz vor: Die Weidenmeise brütet im Jura (Poecile montanus salicarius), in den Voralpen und vereinzelt im Mittelland (P. m. rhenanus), wo sie zwischen 800 und 1500 m vor allem Laubwälder, Jungwaldstadien und Auenwälder bewohnt. Die Alpenmeise (P. m. montanus) besiedelt Misch- und Nadelwaldbestände der Alpen, meist zwischen 1300 und 2100 m. Beide Formen sind auf einen ausreichend hohen Anteil an stehendem Totholz für das Anlegen ihrer Nisthöhlen angewiesen. Abgesehen von minimalen Unterschieden bei der Nahrung und der Körpergrösse lassen sich Alpen- und Weidenmeise nur anhand des Gesangs bestimmen. Die Weidenmeise äussert eine Serie von eher langen, leicht absteigenden Tönen («ziüh ziüh ziüh ziüh»), wogegen der Gesang der Alpenmeise aus meist kurzen, gleich hoch bleibenden Pfeiftönen besteht («dü dü dü dü dü»). Die Verbreitung dieser Gesangsformen in der Schweiz und das Vorkommen von zwei Kontaktzonen in unserem Land und einer weiteren in Bayern sind bereits 1962 beschrieben worden. Später hat man in den Freiburger Voralpen, in Savoyen, im Allgäu, in den österreichischen Alpen sowie in den Gebirgen Bulgariens weitere Kontaktzonen gefunden. In der Schweiz sind die beiden Gesangsformen bisher nie separat erfasst worden. Der Atlas 2013–2016 liefert nun erstmals einen Überblick ihrer Vorkommen.

Die Verbreitungsgebiete überschneiden sich

Weiterführende Untersuchungen wünschbar

Betroffene Arten

Text: Sylvain Antoniazza

Zitiervorschlag des Atlas online:
Knaus, P., S. Antoniazza, S. Wechsler, J. Guélat, M. Kéry, N. Strebel & T. Sattler (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

Literatur

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