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Gartenrotschwanz © Beat Rüegger
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Langstreckenzieher ziehen den Kürzeren

Die Bestände der Langstreckenzieher gehen insgesamt zurück, jene der Kurzstreckenzieher und Standvögel nehmen eher zu. Diese Entwicklung ist keineswegs auf die Schweiz beschränkt. Langstreckenzieher sind spezialisierter und stärker von Lebensraumveränderungen im Brut- und Überwinterungsgebiet betroffen und damit verletzlicher als Kurzstreckenzieher und Standvögel.

Unsere Brutvögel lassen sich aufgrund ihres Zugverhaltens in zwei Gruppen einteilen. Die Standvögel und Kurzstreckenzieher verbringen den Winter im Brutgebiet oder weichen in den Mittelmeerraum aus. Darunter sind viele Arten, von denen nur ein Teil der Population zieht, der andere im Brutgebiet überwintert. Zu diesen sogenannten Teilziehern zählt beispielsweise das Rotkehlchen. Die zweite Gruppe umfasst Arten, die grösstenteils in Afrika südlich der Sahara überwintern. Nach Asien (v.a. Indien) ziehen von uns aus nur wenige Arten, beispielsweise der Karmingimpel.

Die Bestandsentwicklung der Langstreckenzieher in der Schweiz ist seit 1990 insgesamt negativ, während die Bestände der Standvögel und Kurzstreckenzieher zunehmen. Ähnliche Befunde wurden auch in anderen Ländern Europas gemacht. Besonders Langstreckenzieher, die in offenen Lebensräumen überwintern und in Europa in offenen Lebensräumen brüten, zeigen langfristige Abnahmen.

Änderung der Verbreitung seit 1993–1996 der Standvögel und Kurzstreckenzieher (85 Arten, oben) sowie der Langstreckenzieher (30 Arten, unten). Die Karten entstanden durch die Kombination der Veränderungskarten der betreffenden Arten. Für die Standvögel und Kurzstreckenzieher ergibt sich ein zwar etwas heterogenes, aber insgesamt recht positives Bild. Im Gegensatz dazu verzeichnen die Langstreckenzieher in den tieferen und mittleren Lagen praktisch durchgehend eine negative Bilanz.

Langstreckenzieher sind besonders verletzlich

Veränderungen im Brutgebiet für Abnahme entscheidend

Auch Veränderungen in den Rastgebieten und im Winterquartier wirken sich negativ aus

Betroffene Arten

Dorngrasmücke
Fitis
Gartenrotschwanz
Nachtigall
Pirol
Rauchschwalbe
Rotkehlchen
Trauerschnäpper
Uferschwalbe
Waldlaubsänger

Text: Lukas Jenni & Hans Schmid

Zitiervorschlag des Atlas online:
Knaus, P., S. Antoniazza, S. Wechsler, J. Guélat, M. Kéry, N. Strebel & T. Sattler (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

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Vogelwelt im Wandel

Der Zustand der Vogelwelt spiegelt unseren Umgang mit der Natur und Landschaft. Dieser Atlas präsentiert die aktuellen Vorkommen, die Häufigkeit und die Höhenverbreitung aller Brutvögel der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in bislang unerreichter Präzision. Vor allem aber zeigt er die markanten Veränderungen der Schweizer Vogelwelt in den letzten zwanzig bis sechzig Jahren. Das umfangreiche Werk ist eine zentrale Grundlage für den Schutz und die Förderung der einheimischen Vögel und ihrer Lebensräume.

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