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Die Kiesflächen des kanalisierten Rheins zwischen Trübbach SG und Rüthi SG beherbergen die grösste Brutpopulation des Flussregenpfeifers der Schweiz. Der Druck durch Erholungssuchende ist indes besonders gross. Wegen starker Wasserstandsschwankungen werden die Kiesbänke zudem häufig überflutet.

© Hans Schmid
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Mit den Kiesbrütern geht es bachab

Flussregenpfeifer und Flussuferläufer, beides typische Auenarten, haben bei uns einen schweren Stand. Mit diversen Eingriffen hat der Mensch die Flüsse gezähmt und sie für die beiden Limikolenarten entwertet. Revitalisierungen allein garantieren noch keinen Erfolg, denn oft vereiteln Störungen durch Freizeitaktivitäten sowie Hochwasser Brutversuche.

Auf grösseren Kiesbänken unserer Flüsse finden Flussuferläufer und Flussregenpfeifer ihre Brutplätze. Der Flussuferläufer ist auf weitläufige, möglichst störungsarme, naturnahe Auen angewiesen. An Abschnitten mit geringer Fliessgeschwindigkeit werden feinere Sedimente wie Kies, Sand oder Schlick abgelagert, und in der aufkommenden Vegetation kann der Flussuferläufer sein Nest verstecken. Weil der heutige Zustand der Fliessgewässer seinen Ansprüchen mehrheitlich nicht mehr gerecht wird, kann er seinen Bestand kaum halten. Im Mittelland sind sämtliche Brutplätze längst verlassen.

Der Flussregenpfeifer hingegen ist als Pionierart in der Lage, nur kurzfristig bestehende, weitgehend vegetationsfreie Kiesflächen zu besiedeln und auf verschiedene, von menschlichen Aktivitäten stark geprägte Lebensräume auszuweichen (z.B. Kiesgruben, militärische Übungsplätze, Baustellen). Ursprünglich war auch er an natürliche, freifliessende Flüsse gebunden. Wegen menschlichen Eingriffen sind geeignete Kiesflächen zu einem grossen Teil verloren gegangen. So brütet nur noch etwa die Hälfte des Schweizer Bestands an Flüssen. In Bayern sind es gar weniger als 10 %, der Rest brütet in Ersatzlebensräumen. Auch wegen der geringen Bestände figurieren beide Arten in der Schweiz als «stark gefährdet» (EN) auf der Roten Liste.

Massive Lebensraumverluste

Der Rhein, ein Eldorado für den Flussregenpfeifer?

Revitalisierungen könnten sich positiv auswirken

Betroffene Arten

Text: Hans Schmid

Zitiervorschlag des Atlas online:
Knaus, P., S. Antoniazza, S. Wechsler, J. Guélat, M. Kéry, N. Strebel & T. Sattler (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

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Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Vogelwelt im Wandel

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