Die verschiedenen Unterarten der Schafstelze Motacilla flava in der Nordwestschweiz
Zusammenfassung
Die Schafstelze Motacilla flava ist in Europa und Asien als Brutvogel weit verbreitet und auch in der Schweiz existiert eine kleine Brutpopulation mit rund 300 bis 340 Brutpaaren. Aus der Nordwestschweiz liegt bisher kein Brutnachweis vor, jedoch wird die Art regelmässig auf dem Durchzug im Frühjahr und im Herbst beobachtet. Neben der in Mitteleuropa brütenden Unterart flava ziehen auch weitere Unterarten durch, zum Beispiel die aus Skandinavien und dem nördlichen Russland stammende M.f. thunbergi .
Im Frühling ist die Unterartbestimmung von Schafstelzen-♂ dank der unterschiedlichen Kopfzeichnungen oft problemlos möglich. So haben ♂ der Unterart M.f. flava einen grauen Kopf mit einem weissen Überaugenstreif, während bei ♂ von M.f. thunbergi der Kopf gänzlich dunkelgrau ist. Dennoch existieren nur wenig publizierte Angaben zu den Häufigkeitsverhältnissen der verschiedenen Unterarten auf dem Frühlingszug. Noch weniger ist zur Unterartenzusammensetzung der im Herbst durchziehenden Schafstelzen bekannt, wahrscheinlich, weil die Unterartbestimmung im Schlichtkleid schwieriger ist als im Frühling. Unter guten Beobachtungsbedingungen können viele männliche Vögel aber durchaus bestimmt werden, anders als Weibchen, bei denen die Unterartbestimmung meist nicht möglich ist.
Um herauszufinden, welche Unterarten wie häufig in der Nordwestschweiz durchziehen, haben wir bestehende Meldungen an die Schweizerische Vögelwarte Sempach und – für die seltenen Unterarten – die angenommenen Nachweise der Schweizerischen Avifaunistischen Kommission ausgewertet. Zusätzlich haben wir während mehrerer Jahre im Herbst und Frühling intensiv nach Schafstelzentrupps gesucht und angetroffene ♂ (416 im Frühling, 152 im Herbst) wenn möglich auf Unterartniveau bestimmt.
Die Ergebnisse wurden 2021 im «Ornithologischen Beobachter» publiziert. Im vorliegenden Artikel präsentieren wir eine Übersicht der Ergebnisse, ergänzt mit einer detaillierteren Sicht auf die Nordwestschweizer Region.
Sowohl auf dem Herbst- als auch dem Frtihlingszug ist flava die häufigste Unterart, jeweils gefolgt von thunbergi. Nebenflava und thunbergi tritt auch die überwiegend aus Italien stammende cinereocapilla zumindest im Frühling selten, aber regelmässig in der Region auf. Bei den Unterarten feldegg (Südosteuropa) und flavissima/lutea (Grossbritannien, resp. Wolgadelta in Russland und Kasachstan; die beiden Unterarten sind äusserlich nicht zu unterscheiden) handelt es sich um sehr seltene Ausnahmeerscheinungen. Von feldegg liegen lediglich zwei Nachweise vor (inkl. einem Individuum mit Merkmalen der Mischform superciliaris). Unklarer ist die Situation bei flavissima/lutea: Hier existieren vier dokumentierte Beobachtungen vom Frühling. Daneben fanden wir auch im Herbst vier Schafstelzen, die phänotypisch die Kriterien für flavissima oder lutea erfüllen, aber nach derzeitigem Wissensstand können im Herbst abweichend gefärbte flava nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die Nordwestschweiz liegt nur wenig östlich der Zugroute von flavissima. Der Hauptgrund für das bisherige komplette Fehlen von Herbstnachweisen dürfte also weniger das Fehlen von flavissima als deren fehlende Bestimmbarkeit sein.
The Yellow Wagtail Motacilla flava is widespread as a breeding bird in Europe and Asia, and there is a small breeding population of around 300 to 340 breeding pairs in Switzerland. So far, there is no evidence of breeding in north-western Switzerland, but the species is regularly observed on migration in spring and autumn. In addition to the flava subspecies, which breeds in Central Europe, other subspecies also migrate through north-western Switzerland, for example M.f. thunbergi, which breeds in Scandinavia and northern Russia.
In spring, subspecies identification ofYellow Wagtails-♂ is often straightforward thanks to the different head markings. Nevertheless, little published information exists on the abundance of the different subspecies during spring migration. Even less is known about the subspecies composition of Yellow Wagtails migrating in autumn, probably because subspecies identification is more difficult then.
To find out which subspecies migrate in northwestern Switzerland and how often, we evaluated existing reports to the Swiss Ornithological Institute Sempach and – for the rare subspecies – the assumed records of the Swiss Avifaunistic Commission. In addition, we intensively searched forYellow Wagtails during several years in autumn and spring and identified ♂ (416 in spring, 152 in autumn) encountered to subspecies level if possible.
The results were published in the «Ornithologischer Beobachter» in 2021. In this present article, we give an overview of the results published there, supplemented with a more detailed view of the situation in north-western Switzerland.
On both autumn and spring migration, flava is the most common subspecies, followed by thunbergi. In addition, the subspecies cinereocapilla, which originates mainly from Italy, also occurs rarely but regularly in the region, at least in spring. The subspecies feldegg (south-eastern Europe) andflavissimallutea (Great Britain and the Volga Delta in Russia and Kazakhstan; the two subspecies cannot be distinguished based on phenotype) are very rare.