Forschung

Standortvorteil Schweiz?

Die Schweiz hat mit ihren Bergen eine ganz andere Topografie als viele andere Länder Europas. Das hat Auswirkungen auf die Bestandsentwicklung der bei uns brütenden Vogelarten.

Die Brutvögel Europas stehen unter Druck. Schätzungen zufolge leben heute über eine halbe Milliarde weniger Vögel auf dem Kontinent als noch 1980. Vergleicht man die Bestandsentwicklungen innerhalb Europas, fällt die Schweiz auf den ersten Blick positiv auf. Die verschiedenen Indikatoren des Swiss Bird Index zeigen positivere Entwicklungen als ihre europäischen Pendants.

Wie ist es möglich, dass viele Arten in einem dicht besiedelten und landwirtschaftlich intensiv genutzten Land wie unserem den grossräumigen Rückgängen zu trotzen scheinen? Ein Grund dafür scheint die spezielle Lage der Schweiz mit ihren Bergen zu sein. Gerade in der Alpenregion erwärmt sich das Klima überdurchschnittlich stark. Als eine Folge davon dürfte dies vielen Arten des Tieflands eine Besiedlung von höher gelegenen Flächen ermöglichen, die früher von den entsprechenden Arten nicht oder nur in geringerer Dichte genutzt wurden. Für Kulturlandarten kommt dazu, dass hochgelegene Standorte noch weniger intensiv bewirtschaftet werden als solche in tieferen Lagen. Zugewinne in der Höhe können so teilweise stark negative Trends im Mittelland kompensieren, was die gesamtschweizerische Entwicklung stabilisiert.

Schreiten aber Klimawandel, Freizeitnutzung und die landwirtschaftliche Intensivierung auch im Berggebiet voran, werden in Zukunft wohl wieder vermehrt Rückgänge zu verzeichnen sein. Bergregionen tragen eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität, nicht nur für alpine Arten, sondern vermehrt auch für Arten des Tieflands. Umso wichtiger ist es, diesem einzigartigen Lebensraum Sorge zu tragen.

Quelle Strebel, N., S. Antoniazza, N. Auchli, S. Birrer, R. Bühler, T. Sattler, B. Volet, S. Wechsler & M. Moosmann (2024): Zustand der Vogelwelt in der Schweiz: Bericht 2024. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.