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Mit einem Holzschlag wurde in einem Föhrenwald bei Leuk VS Raum für den Ziegenmelker geschaffen.

© Antoine Sierro
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Viele spezialisierte Arten in lichten Wäldern

Lichte Wälder sind offen in der Baumschicht und lassen viel Licht auf den Boden. Viele spezialisierte Arten brauchen lichte Wälder als Lebensraum, vor allem Pflanzen und Insekten, aber auch einige Vogelarten. Auffallend viele davon sind gefährdet und auf Schutz- und Fördermassnahmen angewiesen. Einige Förderprojekte laufen, aber es braucht weitere Anstrengungen.

Lichte Wälder bieten Lebensraum für viele heute seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Solche Wälder haben einen geringen Kronenschluss, wodurch viel Licht auf den Boden oder auf die bodennahe Vegetation gelangt. Ohne menschliche Eingriffe kommen solche Wälder nur auf extrem unproduktiven Standorten vor, wo Bäume und Sträucher trotz viel Licht kaum wachsen können, weil es entweder zu trocken oder zu feucht ist oder nur sehr wenige Nährstoffe vorhanden sind. Beispiele dafür sind verschiedene Typen von wärmeliebenden Waldföhrenwäldern, Lärchenwälder an der oberen Waldgrenze in den Südalpen und Hochmoor-Bergföhrenwälder.

Lichte Wälder können aber auch durch den Menschen entstehen und waren früher viel weiter verbreitet als heute. Im Gegensatz zur aktuell üblichen geordneten forstlichen Nutzung, welche die Produktion von Stammholz zum Ziel hat, war die Nutzung der Wälder früher auf grossen Flächen äusserst vielfältig. Praktisch alles nutzbare Material wurde dem Wald entnommen: Holz, Laubstreue oder frisches Laub, Beeren, Rinde, Koniferenzapfen und, durch Mahd oder Beweidung, auch der Unterwuchs. Durch diesen massiven Austrag von Biomasse und Nährstoffen entstanden mit der Zeit sehr magere Böden und damit Lebensräume für Pflanzen- und Tierarten, die auf etwas nährstoffreicheren Böden sofort von konkurrenzkräftigeren, «dominierenden» Arten verdrängt werden. Im Grunde genommen kann man die Lebensräume, die durch jene vielfältigen und intensiven Nutzungen entstanden sind, gar nicht als «Wald» im eigentlichen Sinn bezeichnen. Es handelte sich in der Regel eher um parkähnliche Misch-Landschaften mit einzelnen Bäumen und Gruppen von Sträuchern sowie sehr kurz gehaltener Bodenvegetation. Im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts verloren solche vielfältige Nutzungsformen weitgehend ihre wirtschaftliche Bedeutung. Sie wurden alle aufgegeben, mit Ausnahme der Waldweide, die in den Alpen und im Jura bis heute betrieben wird. In einigen Regionen der Alpen ist das auch heute noch auf über 20 % der gesamten Waldfläche der Fall.

Lichte Wälder für Pflanzen und Insekten, aber auch für Vögel

Handlungsbedarf bei Schutz- und Förderprojekten

Unterschiedliche Massnahmen und regelmässige Pflege

Betroffene Arten

Text: Pierre Mollet & Gilberto Pasinelli

Zitiervorschlag des Atlas online:

Knaus, P., S. Antoniazza, S. Wechsler, J. Guélat, M. Kéry, N. Strebel & T. Sattler (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

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Vogelwelt im Wandel

Der Zustand der Vogelwelt spiegelt unseren Umgang mit der Natur und Landschaft. Dieser Atlas präsentiert die aktuellen Vorkommen, die Häufigkeit und die Höhenverbreitung aller Brutvögel der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in bislang unerreichter Präzision. Vor allem aber zeigt er die markanten Veränderungen der Schweizer Vogelwelt in den letzten zwanzig bis sechzig Jahren. Das umfangreiche Werk ist eine zentrale Grundlage für den Schutz und die Förderung der einheimischen Vögel und ihrer Lebensräume.

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