Artenförderung Kiebitz in der Wauwiler Ebene, Kanton Luzern: Jahresbericht 2021
Zusammenfassung
Der Kiebitz ist in der Schweiz vom Aussterben bedroht und wird auf der Roten Liste der Brutvögel in der höchsten Kategorie geführt (CR, critically endangered). Rund 200 Brutpaare lassen sich Jahr für Jahr in der Schweiz nieder, um hier ihre Jungen grosszuziehen. Der kleine Bestand und der ungenügende Bruterfolg sind die Hauptgründe für die kritische Situation der Kiebitze.
In der Wauwiler Ebene LU, dem wichtigsten Brutgebiet in der Schweiz, werden die Kiebitze seit 2005 durch gezielte Fördermassnahmen der Vogelwarte unterstützt. Die Förderung wird wissenschaftlich begleitet.
2021 war für die Kiebitze in der Wauwiler Ebene ein gutes Brutjahr. Mit 39 Brutpaaren liessen sich zwar weniger Brutpaare im Gebiet nieder als noch im Vorjahr (2020: 42 Brutpaare). Allerdings erreichten mindestens 38 Jungvögel das flugfähige Alter. Dies ergibt einen Bruterfolg von 0,97 flüggen Küken pro Brutpaar. Dieser Wert liegt über dem angestrebten Wert von 0,8 flüggen Küken pro Brutpaar, den es für den Erhalt des Bestands erfordert. Erstmals seit 2015 wurde dieser Wert wieder erreicht. Die Schlüpfrate war wie bereits im Vorjahr gut, aus 65 % der Gelege schlüpften Küken. Die Küken, die bis Ende April schlüpften, überlebten in erstaunlich hoher Zahl. Allerdings führte eine nasse und kalte Periode Anfang Mai zum einem Totalausfall bei den Familien, deren Küken Anfang Mai schlüpften. Dies führte dazu, dass Mitte Mai mehrere Weibchen praktisch gleichzeitig Ersatzbruten starteten. Aufgrund der niederschlagsreichen Monate Juni und Juli waren erstaunlich viele Ersatzbruten erfolgreich. Speziell ist eine Ersatzbrut, aus welcher am 17. Juni vier Küken schlüpften, die Ende Juli allesamt flügge wurden. In den vergangenen drei Jahren wurden keine Küken flügge, die erst im Juni schlüpften.
Erfreulich war, dass sich insgesamt fünf Brutpaare im Hetzligermoos, im Ostergau und in Gettnau angesiedelt haben. Mindestens zwei der beteiligten Weibchen waren in Vorjahren in der Wauwiler Ebene farbberingt worden. Das zeigt, dass Vögel aus der Wauwiler Population umliegende Gebiete besiedeln, wenn geeignetes Habitat vorhanden ist. Im Ostergau brachte ein Paar drei Flügglinge hervor. Die restlichen Bruten waren vermutlich erfolglos.
2022 wird das Förderprojekt Kiebitz in der Wauwiler Ebene weitergeführt. Insbesondere das Angebot an Kiebitzbrachen, offenen Ackerflächen und temporären Feuchtflächen soll in Zusammenarbeit mit den Landwirten und dem Kanton erhöht werden.
Mitarbeitende