Zusammenfassung
Der Bund hat sich zum Ziel gesetzt, typische Arten und Lebensräume in landwirtschaftlichen Gebieten zu fördern und zu erhalten (Umweltziele Landwirtschaft). Eine wichtige Massnahme dazu ist das Anlegen von Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Kulturland. Obwohl inzwischen beinahe bei 20 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) als BFF bewirtschaftet werden, sind die Umweltziele Landwirtschaft bisher nicht erreicht worden. Es hat sich gezeigt, dass für die Förderung von Ziel- und Leitarten nicht nur die Menge der BFF entscheidend ist, sondern dass auch deren Qualität und Lage stimmen muss. Im vorliegenden Bericht stellen wir eine Methode vor, wie der Anteil solcher hochwertiger BFF pro Kanton beziffert werden kann. Wir gehen dabei von den Zielwerten aus, wie sie im Landschaftskonzept der Schweiz definiert sind und je nach landwirtschaftlicher Zone zwischen 15 und 40 % betragen.
Im Jahr 2023 waren je nach Kanton 3,3 % bis 27,7 % hochwertige BFF an der LN vorhanden. Je nach Anteil der landwirt-schaftlichen Zonen wären kantonal zwischen 12,0 und 36,6 % notwendig. Um die nach Zonen gewichteten Zielwerte zu erreichen, besteht somit in allen Kantonen Bedarf an zusätzlichen hochwertigen Flächen. Der Zielerreichungsgrad beträgt über die ganze Schweiz gerechnet 48,7 %, unterscheidet sich jedoch sehr stark zwischen den Kantonen (Zielerreichungs-grad: 18,6 bis 78,7 %). Betrachtet man die Zielerreichung pro Höhenstufe, zeigt sich, dass in der Tal- und in der Hügelzone je gut die Hälfte der notwendigen hochwertigen BFF vorhanden sind, in der Bergzone I bis III jedoch nur 32,2–47,4 %. In der Bergzone IV ist das Ziel jedoch bereits erreicht.
In rund der Hälfte aller Kantone wären zwar genügend BFF vorhanden, ein Teil davon erreicht aber nur die Qualitätsstufe I. In diesen Fällen könnte man sich dem Ziel nähern, wenn ein Teil der vorhandenen BFF in qualitativ hochwertige BFF um-gewandelt werden könnte.
Der Anteil hochwertiger BFF blieb auf nationaler Ebene von 2003 bis 2011 ziemlich konstant und steigt seither allmählich an. Der Anteil hochwertiger BFF in vielen Kantonen entwickelte sich ziemlich genau wie jener in der Schweiz als Ganzes. In den Kantonen Graubünden und Wallis war die Entwicklung der hochwertigen BFF hingegen deutlich stärker als in der Gesamtschweiz. In einzelnen Kantonen dagegen war die Entwicklung nur zögerlich.
Der Anteil hochwertiger BFF ist allerdings nur ein erster grober Zielwert. Um die Biodiversität effizient zu fördern, braucht es auf die Zielarten abgestimmte BFF-Typen am richtigen Standort. Die Zusammensetzung der hochwertigen BFF unter-scheidet sich zwischen den verschiedenen Kantonen tatsächlich ziemlich stark, was demnach ein positives Resultat ist. Allerdings nehmen die besonders wertvollen Acker-BFF schweizweit gesehen nur etwa ein Prozent der Ackerfläche ein.
Aufgrund der Ergebnisse empfiehlt die Vogelwarte:
mehr BFF im Ackerland anzulegen (mit Ausnahme der einjährigen Nützlingsstreifen sind alle BFF-Typen auf Ackerland hochwertig);
bestehende BFF in hochwertige BFF aufzuwerten;
Anreize für das Anlegen von hochwertigen BFF in Projekten anzubieten, z. B. im Rahmen von Projekten zur Förderung der regionalen Biodiversität und Landschaftsqualität (PrBL);
diese Analyse pro Kanton resp. pro Projektgebiet als Basis (IST-Zustand) bei der Projekterarbeitung zu berücksichtigen.
Zurzeit ist aufgrund der vorliegenden Daten nur eine Auswertung auf Ebene Kantone (oder Höhenstufe) möglich. In einem nächsten Schritt soll nun mit Hilfe von GIS-Daten eine Auswertung auf beliebigen Perimetern möglich gemacht werden.
Mitarbeitende