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Inneralpines Auftreten ziehender Watvögel: Diversität, Häufigkeit und Phänologie durchziehender Limikolen auf dem Col de Bretolet

Thoma, Marco; Althaus, Sarah
Zeitschrift
Ornithol. Beob. (Der Ornithologische Beobachter)
Sprache
ger
Veröffentlichungsjahr
2016

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Zusammenfassung

Despite extensive research on bird migration in the Swiss Alps, knowledge about the active migration of certain species within this mountain range is still largely lacking. This applies especially to waders. Due to its location at an alpine pass at almost 2000 m a.s.l. the bird ringing station of the Swiss Ornithological Institute on the Col de Bretolet (canton of Valais, 46° 8’ 34” N/6° 47’ 45” E) offers the opportunity to monitor active post-breeding shorebird migration. In this paper we present a comprehensive overview based on all reported records from this site since the 1950s. Additionally we collected all wader observations during our time leading the ringing station in 2010–2014. These data form the largest collection of records of actively migrating waders within the Alps.

Up to and including 2014 more than 2000 waders from 23 species have been recorded: Eurasian Oystercatcher, Little Ringed Plover, Common Ringed Plover, Eurasian Dotterel, Grey Plover, Northern Lapwing, Sanderling, Little Stint, Temminck’s Stint, Dunlin, Ruff, Jack Snipe, Common Snipe, Eurasian Woodcock, Black-tailed Godwit, Whimbrel, Eurasian Curlew, Spotted Redshank, Common Redshank, Common Greenshank, Green Sandpiper, Wood Sandpiper and Common Sandpiper. The vast majority of observations concerns birds in flight that were mostly heard at night. A comparison of the phenology of Green, Wood and Common Sandpiper on the Col de Bretolet shows a significant strong correlation with the phenology in Switzerland, where most shorebirds are observed in the lowlands. However, probably because of high flight altitudes, waders are only rarely captured and comprise only 0.02 % of 673634 birds ringed on the Col de Bretolet since 1954.

In 2010–2014 waders were observed on 113 days, i.e. 23.2 % of the days during which the ringing station was operating. Our observations concern at least 558 individuals from 14 species. Almost half of the birds observed were Common Sandpipers. 70.4 % of all individuals crossed the Col de Bretolet during twilight or (especially) at night. Only on eight days were waders also recorded during daytime.

The observed occurrence pattern, potential biases influencing this pattern (e.g. flight and calling behaviour) and indications for active daytime migration across the Alps are discussed.

Obwohl der Alpenbogen für viele Zugvögel einen quer zur allgemeinen Zugrichtung liegenden Riegel darstellt, wurden praktisch alle die Schweiz durchquerende Zugvogelarten auch in den Alpen festgestellt. Trotz intensiver Forschung sind jedoch Informationen zum aktiven inneralpinen Zug einzelner Arten immer noch spärlich. Dies gilt besonders für Watvögel. Der inneralpine Watvogelzug manifestiert sich in erster Linie in Form rastender Vögel. Da Limikolen in den Alpen allerdings meist erst dann rasten, wenn sie durch schlechte Witterung dazu gezwungen werden, liefern Rastplatzbeobachtungen möglicherweise ein verzerrtes Bild des aktiven Zugverlaufs. Nachweise aktiv ziehender, Täler, Pässe oder Bergkämme überquerender Limikolen gelingen insgesamt selten. Die am Westende des Val d’Illiez (Kanton Wallis) auf 1920 m ü.M. gelegene und 1954 gegründete Beringungsstation der Schweizerischen Vogelwarte auf dem Col de Bretolet hingegen ermöglicht es, den aktiven Watvogelzug auf Artniveau zu verfolgen (i.d.R. von Ende Juli bis Ende Oktober). In dieser Arbeit geben wir eine umfassende Übersicht zu den auf dem Col de Bretolet und dem nahen Col de Cou seit Mitte des 20. Jahrhunderts erbrachten Limikolennachweise. Dabei stützen wir uns auf publizierte Beobachtungen sowie Archivdaten der Schweizerischen Vogelwarte. Zusätzlich haben wir im Rahmen unserer Tätigkeit als Stationsleiter der Beringungsstation auf dem Col de Bretolet in den Jahren 2010–2014 alle Limikolenbeobachtungen konsequent erfasst.

Bis und mit 2014 wurden auf den Pässen Bretolet und Cou weit über 2000 Watvögel aus 23 Arten nachgewiesen, was rund der Hälfte der in der Schweiz nachgewiesenen Limikolenarten entspricht: Austernfischer, Flussregenpfeifer, Sandregenpfeifer, Mornellregenpfeifer, Kiebitzregenpfeifer, Kiebitz, Sanderling, Zwergstrandläufer, Temminckstrandläufer, Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Zwergschnepfe, Bekassine, Waldschnepfe, Uferschnepfe, Regenbrachvogel, Grosser Brachvogel, Dunkler Wasserläufer, Rotschenkel, Grünschenkel, Waldwasserläufer, Bruchwasserläufer und Flussuferläufer. Mit Abstand am häufigsten wurde der Flussuferläufer beobachtet. Bei den Nachweisen von Austernfischer, Temminckstrandläufer, Uferschnepfe und Regenbrachvogel handelt es sich um die höchsten für die Schweiz. Der Grossteil der Nachweise betrifft Vögel im aktiven Flug, die mehrheitlich in der Nacht gehört worden sind. Ein Vergleich der Phänologien beobachteter Wald- und Bruchwasserläufer sowie Flussuferläufer auf dem Col de Bretolet mit dem gesamtschweizerischen Auftreten im Zeitraum 1990– 2014 zeigt jeweils eine signifikant starke Korrelation. Dies deuten wir als einen Hinweis dafür, dass während der Wegzugperiode ein gleichbleibender Anteil der durch die Schweiz ziehenden Watvögel in die Alpen einfliegt. Obwohl regelmässig beobachtet, werden Limikolen auf dem Col de Bretolet nur äusserst selten gefangen. Gerade mal 152 (0,02 %) der 673634 seit 1954 auf dem Col de Bretolet beringten Vögel waren Limikolen. Diese verteilen sich auf sieben Arten, wovon einzig Waldschnepfe (72 Ind., 29 Fangjahre) und Flussuferläufer (74 Ind., 28 Fangjahre) in mehreren Jahren gefangen worden sind. Sanderling, Zwergschnepfe, Bekassine, Wald- und Bruchwasserläufer wurden je nur einmal gefangen. Als Hauptgrund für die Seltenheit der Fänge wird eine generell grössere Flughöhe von Watvögeln angenommen, womit Limikolen nur selten in den Bereich der Fangnetze gelangen.

Während den Beringungssaisons 2010–2014 stellten wir an 113 Tagen (23,2 % der Tage mit Stationsbetrieb) mindestens 558 Limikolen aus 14 Arten fest. Der Median des Auftretens aller festgestellten Limikolen wurde in Pentade 46 (14.–18. August) erreicht, 95 % der Watvögel wurden bis Pentade 53 (18.–22. September) beobachtet. An 106 Tagen gelangen Beobachtungen nur in der Dämmerung oder in der Nacht. Diese Feststellungen betreffen mindestens 393 Individuen (70,4 % aller Vögel). Nur an acht Tagen gelangen Beobachtungen auch tagsüber. Mindestens 542 Individuen (97,1 % aller beobachteten Vögel) wurden bei Westwind festgestellt. Ein Grossteil überflog dabei den Pass nach Westen, d.h. gegen den Wind.

Wir diskutieren das Auftretensbild einzelner Arten auf dem Col de Bretolet bezüglich der Phänologie in der übrigen Schweiz, den Einfluss von Faktoren wie Witterung, Flug- und Rufverhalten auf das beobachtete Auftretensmuster sowie mögliche Hinweise für aktiven Tagzug von Limikolen über den Alpen.

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Col de Bretolet

Auf der Beringungsstation Col de Bretolet in den Walliser Alpen, auf 1923 Metern über dem Meer, f...
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