PUBLIKATIONEN

Phänologie-Indikator Vögel: Verändert sich die Periode der höchsten Entdeckbarkeit bei den Brutvögeln in der Schweiz?

Strebel, Nicolas; Schmid, Hans; Sattler, Thomas
Sprache
ger
Veröffentlichungsjahr
2016

PDF herunterladen

Zusammenfassung

Bei vielen Vogelarten ist das saisonale Muster der Gesangsaktivität eng an das Brutgeschehen gekoppelt. Zu Beginn der Brutzeit singen Vögel am intensivsten. Dann steht die Chance für einen Beobachter am besten, eine Brutvogelart auch tatsächlich zu entdecken. Diese Periode der höchsten Entdeckbarkeit verwenden wir als phänologisches Mass für den Phänologie-Indikator Vögel.

Nach einem Beobachtungsgang füllen Ornithologen oft sogenannte vollständige Beobachtungslisten aus, in welchen sie sämtliche festgestellten Arten aufführen. Während der Periode der höchsten Entdeckbarkeit einer Art ist entsprechend auch der Anteil an Listen mit der entsprechenden Art am grössten. In einem ersten Schritt ermittelten wir diese Periode, separat für jedes Jahr, für ein möglichst grosses Artenset. Nach umfassender Datenselektion konnten 34 Arten berücksichtigt werden. Nur bei wenigen Arten sind bereits seit den späten 1980er-Jahren genügend Daten für die entsprechende Berechnung vorhanden. Bei den meisten ist dies spätestens ab der Einführung des Meldeportals ornitho.ch im Jahr 2007 der Fall. Basierend auf den vorhandenen Daten kann ein Phänologie-Indikator Vögel ab 1996 berechnet werden.

Wir legten das Jahr 2010 als Basisjahr für den Index fest. Für jede Art berechneten wir anschliessend die jährliche Differenz der Periode der höchsten Entdeckbarkeit zum Wert des Jahres 2010. So erhielten wir für jede Art die phänologische Abweichung zum Jahr 2010. Die Indexwerte für die einzelnen Jahre berechneten wir dann, indem wir die artweisen phänologischen Differenzen zum Basisjahr mittelten. Wir berechneten einen Index für das gesamte Artenset sowie je einen separat für die Langstrecken- und die Kurzstreckenzieher. Der Indexwert wird nur für diejenigen Jahre ausgewiesen, in welchen Daten von mehr als fünf Arten verfügbar waren (alle Arten: ab 1996, Langstreckenzieher: ab 2001, Kurzstreckenzieher: ab 2007).

Um die Jahrtausendwende hat sich der Index um gut fünf Tage in Richtung spätere Phänologie verschoben. Danach fluktuiert er, ein Trend ist nicht erkennbar. Berücksichtigt man nur die Langstreckenzieher, so zeigt der Trend seit 2001 eher in Richtung frühere Phänologie. Allerdings scheinen jährliche Schwankungen über kurze Zeiträume von fünf und weniger Jahren zu dominieren, was Aussagen zu Trends erschwert. Dies gilt insbesondere auch für den Index der Kurzstreckenzieher, den wir erst ab 2007 berechnen können.

Die gefundenen Muster scheinen unter anderem von der jeweiligen Frühlings-Temperatur beeinflusst zu sein. Folglich bildet der Index zurzeit eher kurzfristige Reaktionen denn längerfristige Trends ab. Es ist davon auszugehen, dass die berücksichtigte Periode eher kurz ist, um längerfristige phänologische Veränderungen von kurzfristigen, möglicherweise witterungsbedingten Schwankungen unterscheiden zu können. Ein auf phänologischen Daten von Pflanzen basierenden Index zeigt innerhalb derselben Periode ebenfalls deutliche kurzfristigen Schwankungen, ein klarer Trend ist nicht festzustellen.

Mitarbeitende

Projekte

Swiss Bird Index SBI ®

Vögel gelten als Gradmesser für die Entwicklung der Umwelt und ihrer Lebensräume. Die Zu- oder Ab...
Entdecken Sie das Projekt