Rauchschwalben Hirundo rustica brauchen Nutztiere, Mehlschwalben Delichon urbicum Nisthilfen
Zusammenfassung
In the last decades, populations of Barn Swallows Hirundo rustica and Common House Martins Delichon urbicum have decreased in Europe. Among others, two important causes have been identified: decreasing numbers of cattle farms which produce aerial insects and loss of nest sites and nest construction material due to modernisation of farm buildings and agricultural driveways. We investigated whether the number and presence of livestock or artificial nests had an influence on the number of breeding pairs of Barn Swallows and House Martins in Ettiswil (canton of Lucerne). In 27 farms the number of breeding pairs of both swallow species was counted during the breeding season 2008. Additionally, farmers were asked for the number of livestock and the duration of livestock presence in the stable, and the artificial nests were counted.
In Barn Swallows, the number of breeding pairs was positively associated with the number of livestock animals and the duration of livestock presence in the stables, whereas in House Martins, solely the presence of artificial nests was important. The results emphasise the different ecological demands of the two species. For Barn Swallows the presence of livestock is important, because of the enhanced insect density and higher nest site temperature in stables inhabited by livestock compared to empty stables. The number of House Martin breeding pairs seems to be more dependent on the type and the presence of nest sites. Consequently, the study shows that artificial nests may be an important tool in the conservation of House Martin population, whereas for Barn Swallows habitat structures producing high insect densities need to be promoted. Further, this study emphasises the need for new measures and types of artificial nests that guarantee favourable microclimate for Barn Swallows in modern stable buildings and in the absence of livestock.
Die Populationen von Rauch- und Mehlschwalben haben in den letzten Jahrzehnten europaweit abgenommen. Der Rückgang des Viehbestands und die Modernisierung von Stallgebäuden und Fahrwegen und damit die Verknappung von Nestbaumöglichkeiten werden als Hauptgründe angegeben.
Diese Arbeit ging der Frage nach, ob die Anzahl Tiere, die Besetzungsdauer der Ställe sowie die Präsenz von künstlichen Nisthilfen einen Einfluss auf die Zahl der Brutpaare von Rauch- und Mehlschwalben in Ettiswil (Kanton Luzern) haben.
Während der Brutsaison 2008 wurden in 27 Bauernhöfen die Zahl brütender Paare beider Schwalbenarten gezählt. Die Zahl der Tiere und deren Aufenthaltsdauer im Stall wurde über die Betreiber erfragt, die künstlichen Nisthilfen gezählt.
Zuerst wurden die Korrelationen unter den erklärenden Variablen untersucht und danach mit generalisierten linearen Modellen die Einflüsse der erklärenden Variablen auf die Brutpaarzahl beschrieben. Total wurden 40 Rauch- und 19 Mehlschwalbenpaare gezählt. Bei der Rauchschwalbe war die Brutpaarzahl positiv mit der Zahl der Nutztiere und deren Anwesenheitsdauer im Stall korreliert. Im Unterschied dazu hatte nur die Präsenz von künstlichen Nisthilfen einen Einfluss auf das Vorkommen der Mehlschwalbe.
Das Resultat zeigte die verschiedenen ökologischen Ansprüche der beiden Arten. Die Rauchschwalbe ist eng an Nutztiere gebunden. Diese enge Bindung ist einerseits aufgrund der durch die Nutztiere erhöhten Insektendichte zu erklären. Anderseits erwärmen die Nutztiere durch ihre Anwesenheit im Stall die Nestumgebung, womit für die Rauchschwalbe günstige mikroklimatische Bedingungen erreicht werden. Das Vorkommen von Mehlschwalben scheint eher durch das Vorhandensein von Nistmöglichkeiten limitiert zu sein. Die Arbeit zeigt, dass das Anbringen von künstlichen Nestern für die Mehlschwalbe wichtig und nützlich ist. Die Rauchschwalbe hingegen braucht ein hohes Angebot an Insekten sowie ein günstiges Mikroklima in der Nestumgebung. Letzteres zeigt, dass neue Massnahmen und Nisthilfen für die Rauchschwalbe entwickelt und geprüft werden sollten, die auch in modernen Ställen und anderen offenen Gebäuden ein günstiges Mikroklima für das Nest anbieten.
Mitarbeitende