Roosting-sites of the little owl (Athene noctua): Temperature in roosting-sites during wintertime
Zusammenfassung
Der Steinkauz (Athene noctua) war im gesamten europäischen Raum bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein weit verbreiteter Vogel, dessen Bestände seither drastisch und kontinuierlich sinken. Durch Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft wie auch durch ein immer dichter werdendes Verkehrs- und Siedlungsnetz wurden seine bevorzugten Lebensräume, Streuobstwiesen in halboffenen Landschaften, massiv reduziert. Auch die Qualität der verbleibenden Streuobstwiesen hat sich verschlechtert, indem wichtige Ressourcen wie zum Beispiel Baumhöhlen verloren gingen. Denn Baumhöhlen dienen dem Steinkauz sowohl als Brutplatz als auch als Tageseinstand und geben ihm Schutz vor Prädation wie auch vor klimatischen Einflüssen wie Niederschlag, Wind und Kälte. Langanhaltende Kälteperioden und geschlossene Schneedecken, wie sie in unseren Breitengraden oft vorkommen, sind für den Steinkauz schwer zu überleben. Dabei ist sicher der mangelnde Jagderfolg ein entscheidender Faktor, welcher zu einem Verhungern der Tiere führt. Welche Wirkung klimatisch günstige Tageseinstände auf das Überleben und den nächstjährigen Bruterfolg von Steinkäuzen haben, ist jedoch noch weitgehend unerforscht. Ein erster Schritt zur Beantwortung dieser Frage besteht in der Erforschung der Temperatureigenschaften unterschiedlicher Tageseinstände.
Im Rahmen dieser Bachelorthesis haben wir während den Monaten November 2010 bis März 2011 im Landkreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg, Süd-Deutschland) 66 potentielle Tageseinstände der Kategorien Baumhöhlen, Holzstapel, künstliche Niströhren und Kleingebäude auf ihr thermisches Mikroklima hin untersucht. Dabei wollten wir die Fragen klären, (A) ob sich die vier untersuchten Einstandstypen in den thermischen Eigenschaften Temperaturunterschiede unterscheiden, (B) ob die Innentemperatur durch einstandsspezifische Eigenschaften wie zum Beispiel die Exposition und Anzahl der Eingänge, die Vitalität eines Baumes, das Volumen des Einstandraumes usw. beeinflusst wird und (C) ob die Einstandstypen unterschiedliche Isolationswirkung aufweisen. Diese Frage wurde mit Hilfe eines Experimentes untersucht, bei dem während einer Dauer von 12 Stunden eine Wärmequelle in den Einständen angebracht wurde.
Mit unseren Resultaten konnten wir den Nachweis erbringen, dass sowohl Baumhöhlen als auch Holzstapel die Aussentemperatur am meisten puffern, was zu einer starke Tag-Nacht Schwankung der Temperaturdifferenz führte. Innentemperaturen waren in den kalten Nächten höher und an den warmen Tagen tiefer als die Aussentemperaturen. Niströhren und Gebäude wiesen hingegen nur kleine Differenzen zur Aussentemperatur auf. Die Pufferwirkung war bei sehr kalten Aussentemperaturen in Baumhöhlen am stärksten ausgeprägt. Wir konnten bei allen untersuchten Einständen eine signifikante Erhöhung der Innentemperatur durch die zusätzliche Wärmequelle (Experiment) aufzeigen. Es zeigte sich, dass sich die spezifischen Eigenschaften der Tageseinstände bei verschiedenen Aussentemperaturen und bei verschiedener Heizdauer unterschiedlich auf die Innentemperatur auswirkten, dass also sowohl Pufferwirkung als auch Isolationswirkung von den Eigenschaften der Tageseinstände abhängig war: Bei Baumhöhlen war die grösste Varianz in Puffer- und Isolationswirkung vorhanden, während die Eigenschaften von Holzstapeln, Niströhren und Gebäuden wenig Einfluss auf Puffer- und Isolationswirkung hatten. Vitalität und Dicke der Bäume sowie Grösse des Innenraums und die Anzahl und Ausrichtung der Eingänge waren für die Stärke von Puffer- und Isolationswirkung von Baumhöhlen entscheidend.
Das Angebot an Tageseinständen mit verschiedenen thermischen Eigenschaften ermöglicht es den Steinkäuzen, die Schlafplatzwahl je nach Aussentemperatur zu optimieren. Unsere Resultate zeigen, dass Steinkäuze an kalten und schneereichen Wintertagen in grossen Baumhöhlen in vitalen Bäumen mittleren Alters ruhen sollten, weil dort die Temperatur über 4°C höher sein kann als ausserhalb der Höhlen. Durch den geringeren energetischen Aufwand für die Thermoregulation könnten Steinkäuze daraus einen Vorteil ziehen und so die Chancen, den Winter zu überleben, erhöhen. Ob dies so ist, sollte allerdings durch weitere Studien geklärt werden.
Trotzdem scheint eine mögliche Massnahme, um die verbliebenen Steinkauzpopulationen zu fördern, die Erhaltung und Erhöhung der Zahl von thermisch günstigen Tageseinstände in potentiellen Steinkauzhabitaten zu sein.
Keywords: Little owl, Athene noctua, roosting site, microclimate
Mitarbeitende