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Überwinternde Wasservögel in der Schweiz – Ergebnisse der Wasservogelzählungen seit 1967

Strebel, Nicolas
Zeitschrift
Ornithol. Beob. (Ornithologischer Beobachter)
Sprache
ger
Veröffentlichungsjahr
2021

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Zusammenfassung

Rund eine halbe Million Wasservögel verbringen alljährlich den Winter auf den Schweizer Seen und Flüssen. Seit 1967 werden deren Bestände im Rahmen der internationalen Wasservogelzählungen erfasst. Diese Datengrundlage gibt uns ein detailliertes Bild über Verbreitung und Bestandsentwicklung der verschiedenen Wintergäste in der Schweiz und erlaubt Vergleiche mit den grossräumigen Trends dieser Arten. Die für Wasservögel wichtigsten Gewässer Bodensee (inkl. ausländische Teile), Neuenburgersee und Genfersee (inkl. ausländische Teile) beherbergen zusammen rund 70 % aller in der Schweiz überwinternden Wasservögel. Die Entwicklung des Januar-Gesamtbestands lässt sich in drei Phasen unterteilen: Ein steiler Anstieg zwischen Zählbeginn im Jahr 1967 und den frühen 1980er-Jahren, eine Phase mit schwankenden, aber hohen Zahlen in den 1980er- und 1990er-Jahren, gefolgt von einem allmählichen Rückgang seither. Der Anstieg zu Beginn fällt zeitlich mit der Besiedlung der Gewässer durch die Wandermuschel Dreissena polymorpha zusammen. Weiter dürfte eine Bestandserholung nach dem für Wasservögel verlustreichen Jahrhundertwinter 1962/63 und auch allgemein eine Erholung der teils massiv vom Menschen genutzten Vogelbestände zur Entwicklung beigetragen haben. Die rückläufigen Bestände seit den 1990er-Jahren erklären sich durch die vom Klimawandel ermöglichte Verschiebung der Winterquartiere einiger häufiger Arten näher zu ihren nord- oder osteuropäischen Brutgebieten. Der Klimawandel macht sich auch bei der Verteilung der Wasservögel in der Schweiz bemerkbar. Der Genfersee, an den früher viele Wasservögel bei strenger Kälte ausgewichen waren, verzeichnete in den letzten Jahren überproportional starke Rückgänge. Abgesehen von den Arten, die ihr Überwinterungsgebiet Richtung Nordosten verschieben, zeigen viele Wintergäste in der Schweiz eine positive Bestandsentwicklung. Bei den meisten dieser Arten ist auch der internationale Bestandstrend positiv; sie dürften vom europaweit verbesserten Arten- und Gebietsschutz profitiert haben. Als grosse Herausforderung für die Zukunft gilt es, die Wintergäste vor Störungen durch die ganzjährige Zunahme von Freizeitaktivitäten auf unseren Seen zu schützen. Gelingt dies nicht, werden viele Wasservogelarten das Potenzial der hiesigen Seen als Überwinterungsgebiet nicht mehr ausschöpfen können.

Every year, around half a million waterbirds spend the winter on Swiss lakes and rivers. Since 1967, their populations have been recorded as part of the international waterbird census. This database gives us a detailed picture of the distribution and population trends of the various winter visitors in Switzerland and allows comparisons with the large-scale trends of these species. The most important water bodies, Lake Constance (including foreign parts), Lake Neuchâtel and Lake Geneva (including foreign parts), together host about 70 % of all wintering waterbirds in Switzerland. The development of the January total population can be divided into three phases: A steep increase between the start of counting in 1967 and the early 1980s, a phase with fluctuating but high numbers in the 1980s and 1990s, followed by a gradual decline since then. The increase at the beginning coincides with colonization of the waters by the zebra mussel Dreissena polymorpha. Furthermore, a recovery after the extremely cold winter 1962/63, and also a general recovery of the unsustainably used waterbird populations may have contributed to the development. The declining populations since the 1990s can be explained by the shift of the wintering grounds of some common species closer to their northern or eastern European breeding grounds, made possible by climate change. Climate change also impacts the distribution of waterbirds in Switzerland. Lake Geneva, to which many waterfowl used to migrate during severe cold, has seen disproportionately strong population declines in recent years. Apart from the species that shift their wintering area towards the northeast, many species show a positive population trend. For most of these, the international population trend is also positive, and they may have benefited from improved protection of species and areas throughout Europe. A major challenge for the future is to protect wintering waterbirds from disturbance due to the year-round increase in recreational activities on our lakes. If this fails, many waterbird species will no longer be able to exploit the potential of the Swiss lakes as wintering grounds.

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Seit 1967 werden in ganz Europa und in angrenzenden Regionen winterliche Wasservogelzählungen dur...
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