Der richtige Feldstecher

    Der Feldstecher ist zusammen mit einem guten Bestimmungsbuch das wichtigste Arbeitsinstrument der Ornithologin bzw. des Ornithologen. Er sollte deshalb praktisch in der Handhabung, von hoher optischer Qualität, robust und auch für den Einsatz bei ungünstigen Wetter- und Lichtverhältnissen geeignet sein. Es lohnt sich, für ein gutes Glas tiefer in die Tasche zu greifen, denn Feldstecher der anerkanntesten Marken zeichnen sich nicht nur durch überdurchschnittliche Qualität, sondern auch durch ihre Langlebigkeit aus. Lassen Sie sich im Fachgeschäft beraten!

    Was bedeuten die Zahlen?

    Auf allen Feldstechern finden Sie zwei Zahlen (z.B. 10 × 42). Die erste bezieht sich auf die Vergrösserung. Diese liegt in der Regel zwischen 7 × und 10 ×, obwohl es auch Feldstecher mit geringerer oder stärkerer Vergrösserung gibt. Die zweite Zahl gibt den Durchmesser des Objektivs in mm an. Je grösser dieser ist, desto mehr Licht kann eintreten und desto heller wird das Bild. Für den Einsatz in der Dämmerung sollte man also einen möglichst grossen Objektivdurchmesser wählen.

    Lassen Sie sich durch die beiden Zahlen aber nicht fehlleiten: Ein billiges 10 × 50-Fernglas mit minderwertigem Glas und schlechter Vergütung (= Beschichtung der Linsen) kann ein dunkleres und weniger scharfes Bild liefern als ein 10 × 32-Fernglas von guter Qualität.

    Die Grösse und auch das Gewicht eines Feldstechers werden nicht durch seine Vergrösserung, sondern vor allem durch den Objektivdurchmesser bestimmt. Ein guter Kompromiss zwischen Lichtstärke und Gewicht ist bei einem Objektivdurchmesser von 30 bis 50 mm gegeben.

    Welche Vergrösserung brauche ich?

    Im Allgemeinen haben Feldstecher mit niedriger Vergrösserung (7 ×, 8 ×) folgende Vorteile:

    • ein helleres Bild
    • ein grösseres Sehfeld
    • bessere Tiefenschärfe
    • kürzere Mindestdistanz bei der Scharfeinstellung
    • sie liegen ruhiger in der Hand

    Stärkere Feldstecher (z.B. 10 ×) holen die Objekte näher heran und ermöglichen dadurch eine besonders gute Detailerkennung.

    Trotz der Vorteile von Feldstechern mit geringerer Vergrösserung ziehen die meisten Ornithologinnen und Ornithologen eine stärkere Vergrösserung vor und entscheiden sich für ein Glas mit 10-facher Vergrösserung. Lichtstarke Feldstecher mit noch stärkerer Vergrösserung sind schwer und lassen sich aus freier Hand kaum mehr ruhig halten.

    Von Zoom-Feldstechern raten wir ab, da die optischen Leistungen meist nicht überzeugen.

    Welche Feldstechertypen gibt es?

    Porroprismen-Bauweise: Bei diesem traditionellen Feldstecher-Design mit abgewinkeltem Mittelteil wirkt das Bild etwas plastischer als bei den anderen Typen. Der Mitteltrieb ist aber oft nicht sehr stabil, und das Fernglas ist kaum je wasserdicht.

    Dachkantprismen-Bauweise: Feldstecher mit diesem modernen, geraden Design sind kompakter und eher leichter als vergleichbare Gläser herkömmlicher Bauart. Sie besitzen meist eine Innenfokussierung und sind dadurch besser gegen Staub geschützt. Hochwertige Gläser dieser Bauart sind heute mit Stickstoff gefüllt und wasserdicht.

    Kompaktferngläser: Sie sind praktisch, wenn es auf Gewicht und Grösse ankommt, etwa auf Bergwanderungen. Ihr Hauptnachteil liegt darin, dass sie nur eine geringe Lichtstärke aufweisen. Eine noch leichtere Alternative sind Monokulare, die wie Mini- Fernrohre aussehen.

    Zusätzliche Eigenschaften

    Gummiarmierung: Sie macht ein Fernglas nicht wasserdicht, bietet aber einen guten Schutz gegen Schläge.

    Dichtigkeit: Ferngläser von hoher Qualität sollten wasserdicht und mit Stickstoff gefüllt sein.

    Bildstabilisatoren: Sie sorgen auf Knopfdruck für ein weitgehend verwacklungsfreies Bild, was vor allem bei schweren Feldstechern mit starker Vergrösserung hilfreich sein kann. Da heute praktisch alle Konstruktionen mit Batteriebetrieb und hohem Energieverbrauch funktionieren, müssen immer genug Ersatzbatterien mitgeführt werden.

    Wieviel soll ich bezahlen?

    Ferngläser, die zwischen Fr. 200.– und 500.– kosten, können bereits eine recht gute Leistung erbringen. Sie sind aber in der Regel weniger robust und daher eher für den gelegentlichen Gebrauch bestimmt.

    In der Preisklasse bis Fr. 1000.– findet man einige durchaus brauchbare Gläser von bekannten Herstellern. Sie bieten gute Qualität bei relativ langer Lebensdauer.

    Topgläser sind erst ab Fr. 2000.– zu haben (v.a. europäische Hersteller). Bei sehr häufigem Gebrauch lohnt sich die Investition auf jeden Fall.

    Einige Tipps:

    • Kaufen Sie keinen Feldstecher, ohne ihn vorher selber getestet und mit anderen Modellen verglichen zu haben.
    • Wenn Sie neben Vögeln gerne Insekten oder andere Tiere im Nahbereich beobachten, wählen Sie ein Glas, das die Scharfeinstellung auch auf Distanzen von unter 2 m erlaubt.
    • Kaufen Sie ein Glas, das gut in Ihre Augenhöhlen passt (bzw. eines, das dank verstellbaren Okularmuscheln auch für Brillenträger geeignet ist) und das Ihnen gut in der Hand liegt.
    • Achten Sie auf eine gute Randschärfe ohne unschöne Farbsäume.
    • Die Austrittspupille sollte gross und kreisrund sein. Man testet dies, indem man aus einer Distanz von 40–50 cm in ein Okular blickt. Dann sollte man einen konturenscharfen hellen Punkt erkennen.
    • Achten Sie auf stabile, breite Tragriemen mit gutem Tragkomfort.
    • So stellen Sie den Feldstecher ein: Schliessen Sie das rechte Auge und blicken Sie mit dem linken Auge durch den Feldstecher auf ein gut beleuchtetes Objekt. Stellen Sie das Bild mit dem Mitteltrieb scharf ein. Nun schliessen Sie das linke Auge und schauen mit dem rechten Auge auf dasselbe Objekt. Stellen Sie das Bild durch Drehen des Dioptrienausgleichknopfes bzw. des rechten Okulars scharf. Falls Sie mit beiden Augen gleich gut sehen, sollte nun die Skala auf «0» zeigen. Wenn Ihre Augen einen sehr starken Dioptrienunterschied aufweisen, sollten Sie dies dem Fachpersonal bereits vor dem Kauf mitteilen.

    Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis

    © Schweizerische Vogelwarte & SVS/BirdLife Schweiz, Sempach & Zürich, 2013
    Autoren: M. Burkhardt & M. Hüsler
    Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

    Merkblatt

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