Lichtverschmutzung kann Auswirkungen auf das Verhalten von Vögeln haben. Dies zeigen Forschungen der Vogelwarte zur Schleiereule sowie zum Vogelzug an der Adria.
Wo Licht ist, ist auch Schatten
Lichtverschmutzung kann nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Tierwelt problematisch sein. Seit einigen Jahren erforscht die Vogelwarte deren Auswirkungen auf Vögel, wobei wir unter anderem brütende Schleiereulen untersuchen. Dabei zeigte sich: Wenn sich in der Nähe des Nistkastens eine Lichtquelle befindet, erfolgt die erste nächtliche Fütterung der Küken später. Zudem wiegen die Männchen weniger und weisen erhöhte Stresshormonwerte auf. Beim nächtlichen Jagen meiden sie beleuchtete Gebiete, selbst wenn diese wertvolle Biodiversitätsstrukturen enthalten, die sie unter natürlichen Bedingungen bevorzugt nutzen. Nächtliche Lichtexposition verändert somit das Verhalten der Schleiereulen deutlich.
Ein zweites Projekt widmet sich dem Vogelzug an der kroatischen Küste. Die meisten Zugvögel sind nachts unterwegs und sehen sich nach dem Überflug der dunklen Adria mit beleuchteten Küstenbereichen konfrontiert. Mit Hilfe von Radargeräten stellten wir fest, dass mehr Vögel die Stadt überfliegen, und dass sie tiefer und langsamer fliegen als in unbeleuchteten Küstenbereichen. Sie werden also tendenziell vom Licht angezogen und verändern folglich ihre Flugrouten. Da ihr Flug weniger zielgerichtet ist, verbrauchen sie mehr Energie und haben aufgrund des tiefen Flugs über der Stadt ein höheres Risiko, mit Gebäuden zu kollidieren.
Quelle Cordes, J.-M. (2025): Does artificial light at night (ALAN) affect foraging behavior and corticosterone release in barn owls? Master thesis, University of Münster.
Hirschhofer, S., P. Ranacher, R. Weibel, B. Helm, D. Ćiković, S. Barišić, L. Taylor, L. M. Bjelić & B. Schmid (2026): When nocturnally migrating birds encounter low-level light pollution patches: a case study from the Croatian coast. Biol. Conserv. 313: 111620.