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Nicht alle «Strukturverbesserungsmassnahmen» sind legal. Hier wurden 2014 in einem Zentralschweizer Biosphärenreservat ohne Bewilligung kilometerweise Entwässerungsgräben durchs Moor gezogen.

© Peter Hahn
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Die Alpen – Reduit für Kulturlandvögel?

Während die Kulturlandvögel im Mittelland bereits vor Jahrzehnten in Bedrängnis gerieten, blieben in den Berggebieten von etlichen Arten lange Zeit noch hohe Bestände erhalten. Doch auch hier werden die Bewirtschaftungsmethoden zunehmend intensiver. Die Bestände von Braunkehlchen, Feldlerche und Co. befinden sich deshalb im Sturzflug.

Die Berglandwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Viele Landwirte können nur dank Bundesbeiträgen überleben. Diese Beiträge wirken aber zum Teil als Katalysatoren für eine intensivierte Landwirtschaft. Bereits Details wie unterschiedliche Beitragshöhen für verschiedene Typen von Biodiversitätsförderflächen (BFF) können ungeahnte Folgen haben. Ein Beispiel: Die traditionell schwach gedüngten Bergfettwiesen, der bevorzugte Lebensraum des Braunkehlchens, können vom Landwirt als BFF vom Typ «wenig intensiv genutzte Wiesen» angemeldet werden. Allerdings werden dafür nur relativ geringe Beiträge ausbezahlt. Viele Landwirte intensivieren diese Flächen deshalb lieber, um so einen grösseren Grasertrag zu erzielen. Die Fläche der «wenig intensiv genutzten Wiesen» im Berggebiet ging denn auch von 1999 bis 2016 um 23 % zurück. Den erforderlichen Anteil an BFF erreichen die Landwirte trotzdem: Sie melden dazu ertragsarme Wiesen als BFF (Typ «extensiv genutzte Wiese») an und bekommen dafür erst noch höhere Direktzahlungen. Dieser ertragsarme Wiesentyp ist für das Braunkehlchen als Lebensraum jedoch weniger geeignet.

Subventionen in die falsche Richtung

Mannigfache Folgen für die Brutvögel

Kulturlandarten auch in den Bergen im Sinkflug

Betroffene Arten

Baumpieper
Braunkehlchen
Dorngrasmücke
Feldlerche
Grünspecht
Heidelerche
Kuckuck
Neuntöter
Steinschmätzer
Wacholderdrossel
Wiesenpieper

Text: Roman Graf

Zitiervorschlag des Atlas online:
Knaus, P., S. Antoniazza, S. Wechsler, J. Guélat, M. Kéry, N. Strebel & T. Sattler (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

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Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Vogelwelt im Wandel

Der Zustand der Vogelwelt spiegelt unseren Umgang mit der Natur und Landschaft. Dieser Atlas präsentiert die aktuellen Vorkommen, die Häufigkeit und die Höhenverbreitung aller Brutvögel der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in bislang unerreichter Präzision. Vor allem aber zeigt er die markanten Veränderungen der Schweizer Vogelwelt in den letzten zwanzig bis sechzig Jahren. Das umfangreiche Werk ist eine zentrale Grundlage für den Schutz und die Förderung der einheimischen Vögel und ihrer Lebensräume.

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