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Schwarzstirnwürger © Marcel Burkhardt
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Steter Wandel bei den Schweizer Brutvögeln

Die massiven landschaftlichen Veränderungen einerseits und die Verbesserung im Artenschutz andererseits haben sich auch auf die Avifauna ausgewirkt. Feuchtgebiete und deren Bewohner gingen im grossen Stil verloren. Die Artenzusammensetzung im Kulturland hat sich stark verändert. Ehemals verfolgte Arten sind neu in die Schweiz eingewandert oder haben sich ausgebreitet.

In den letzten 200 Jahren veränderte sich die Landschaft in der Schweiz in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Von 1850 bis 2010 wurden hierzulande über 90 % der Feuchtgebiete zerstört. Das Kulturland veränderte sich durch Güterzusammenlegung, Düngung und Mechanisierung massiv. Bevölkerungswachstum und Ausbau der Infrastruktur verwandelten landwirtschaftlich geprägte Gebiete zu Agglomerationen. Nährstoffeinträge führten zu einer Düngung magerer Standorte auf dem Land und zu einer Eutrophierung der Gewässer. Im Gegensatz dazu hat sich der Jagdschutz nach jahrhundertelanger Verfolgung für viele Arten verbessert.

Stark beeinflusst von diesem Wandel resultiert für die Brutvögel ein bewegtes Bild: Zwischen 1900 und 2010 etablierten sich 32 Vogelarten neu als Brutvögel in der Schweiz (darunter 4 Gefangenschaftsflüchtlinge), 8 Arten sind verschwunden. Zu dieser positiven Artenbilanz beigetragen haben Neuzugänge wie Saatkrähe oder Kormoran, die als Koloniebrüter besonders anfällig auf Verfolgung sind und somit direkt vom besseren internationalen Schutz profitierten. Zudem konnten sich einige Arten trotz starker Abnahmen lokal halten, teilweise dank Fördermassnahmen (z.B. Steinkauz). Diese Rückgänge wirken sich somit nicht auf die Gesamtbilanz aus, welche die wichtigen Entwicklungen in der Avifauna folglich nur bedingt widerspiegelt. Massive Verluste erlitten insbesondere einige Feuchtgebietsarten. Grosser Brachvogel oder Rotschenkel sind als Brutvögel ganz verschwunden. Aber auch Arten wie Kuckuck, Tüpfelsumpfhuhn oder Flussuferläufer sind durch den immensen Lebensraumverlust stark zurückgegangen. Weiter sind früher typische und weit verbreitete Kulturlandarten wie Rotkopfwürger, Gartenrotschwanz oder Baumpieper heute ganz verschwunden oder haben zumindest viel an Terrain eingebüsst. Sie finden heute kaum mehr geeignete Brutbedingungen. Durch die Abnahme der Insekten wurde ihnen zudem die Nahrungsgrundlage entzogen.

Positiv entwickelt haben sich in den letzten 30 Jahren hingegen Arten wie Rotmilan oder Rabenkrähe, die sich zwar im Kulturland ernähren, ihren Nachwuchs aber ausserhalb aufziehen. Es handelt sich meist um grössere Arten, die für die Nahrungssuche grössere Distanzen zurücklegen können und so von der im Kulturland verfügbaren Nahrung profitieren. Die Zunahme von Raben- und Greifvögeln erhöht wiederum den Prädationsdruck auf Bodenbrüter.

Der Mensch gestaltet seine Umwelt im grossen Stil und in einem einzigartigen Tempo um. Als Folge davon präsentierte sich auch die Zusammensetzung der Avifauna im letzten Jahrhundert dynamisch. Dank ihrer Flexibilität kommt die Vogelwelt als Ganzes mit immer neuen Bedingungen zurecht. Arten mit speziellen Ansprüchen können sich allerdings nur selten anpassen und verschwinden daher als Brutvögel.

Betroffene Arten

Bartgeier
Bartmeise
Baumpieper
Bienenfresser
Brandgans
Eiderente
Fischadler
Flussuferläufer
Gartenrotschwanz
Grosser Brachvogel
Haubenlerche
Karmingimpel
Kolbenente
Kormoran
Kuckuck
Mittelmeermöwe
Orpheusgrasmücke
Orpheusspötter
Purpurreiher
Rabenkrähe
Raubwürger
Reiherente
Rohrschwirl
Rotkopfwürger
Rotmilan
Rotschenkel
Saatkrähe
Schafstelze
Schnatterente
Schwarzhalstaucher
Schwarzkopfmöwe
Schwarzstirnwürger
Steinkauz
Tafelente
Tüpfelsumpfhuhn
Türkentaube
Wacholderdrossel

Text: Nicolas Strebel

Zitiervorschlag des Atlas online:
Knaus, P., S. Antoniazza, S. Wechsler, J. Guélat, M. Kéry, N. Strebel & T. Sattler (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

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Vogelwelt im Wandel

Der Zustand der Vogelwelt spiegelt unseren Umgang mit der Natur und Landschaft. Dieser Atlas präsentiert die aktuellen Vorkommen, die Häufigkeit und die Höhenverbreitung aller Brutvögel der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in bislang unerreichter Präzision. Vor allem aber zeigt er die markanten Veränderungen der Schweizer Vogelwelt in den letzten zwanzig bis sechzig Jahren. Das umfangreiche Werk ist eine zentrale Grundlage für den Schutz und die Förderung der einheimischen Vögel und ihrer Lebensräume.

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