©
Rebhuhn © Beat Rüegger
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Weiterer Rückgang der Arten der Roten Liste

Gefährdete Arten sind am ehesten im Jura, den inneralpinen Tälern und in den Feuchtgebieten des Mittellands zu finden. Im intensiv genutzten Kulturland brüten meist nur noch sehr wenige gefährdete Arten. Seit 1993–1996 sind die Arten der Roten Liste vielerorts seltener geworden. Ihr verstärkter Schutz ist dringend und muss artspezifisch angegangen werden.

Rote Listen beurteilen gemäss Vorgaben der Weltnaturschutzunion (IUCN) das Risiko, dass eine Art aus einem Gebiet verschwindet. Sie haben sich als wichtiges Instrument im Naturschutz erwiesen und werden für die Schweiz vom Bund (Bundesamt für Umwelt BAFU) herausgegeben. Die Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten der Schweiz umfasst seit ihrer letzten Revision im Jahr 2010 78 Vogelarten. 41 Arten gelten als «verletzlich» (VU), 21 Arten als «stark gefährdet» (EN) und 9 Arten als «vom Aussterben bedroht» (CR). Ebenfalls auf der Roten Liste sind 7 ehemalige Brutvogelarten, die seit mehr als 20 Jahren nicht mehr bei uns brüten (Kategorie «in der Schweiz ausgestorben», RE). Nicht als Arten der Roten Liste gelten jene der Kategorien «potenziell gefährdet» (NT, 32 Arten) und «nicht gefährdet» (LC, 89 Arten).

Bei der Revision 2010 wurden 12 Arten von der Roten Liste von 2001 entlassen. Von diesen zeigen unter anderem Kolbenente, Wanderfalke, Mittelspecht und Zaunammer eine deutliche Zunahme im Vergleich zu 1993–1996. Auch einige auf der Roten Liste verbliebene Arten zeigen positive Trends, so Weissstorch, Bartgeier, Zwergohreule, Steinkauz und Wiedehopf. Auf grossen Flächen überwiegen allerdings die negativen Entwicklungen. Insbesondere mussten bei der Revision 2010 10 Arten neu in die Rote Liste aufgenommen werden. Die ehemals weit verbreiteten Arten Rotkopfwürger und Grosser Brachvogel verschwanden vor der Periode 2013–2016 vollständig als Brutvögel. Von Rebhuhn, Bekassine und Ortolan verbleiben nur noch einzelne Reviere und das Verschwinden dieser Arten aus der Schweiz ist absehbar.

Im Mittelland nur in Feuchtgebieten noch mehrere gefährdete Arten

Starke Abnahme in tiefen und mittleren Lagen

Viele gefährdete Feuchtgebiets- und Kulturlandbewohner

Verstärkte Förderung der gefährdeten Arten dringend

Betroffene Arten

Bartgeier
Bekassine
Braunkehlchen
Dorngrasmücke
Fitis
Grauammer
Grosser Brachvogel
Haselhuhn
Kiebitz
Kolbenente
Mittelspecht
Ortolan
Rebhuhn
Ringdrossel
Rotkopfwürger
Steinkauz
Wacholderdrossel
Waldlaubsänger
Wanderfalke
Weissstorch
Wiedehopf
Zaunammer
Zwergohreule

Text: Simon Birrer

Zitiervorschlag des Atlas online:
Knaus, P., S. Antoniazza, S. Wechsler, J. Guélat, M. Kéry, N. Strebel & T. Sattler (2018): Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016. Verbreitung und Bestandsentwicklung der Vögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

Literatur

Shop

Spenden
Helfen Sie den Vögeln der Schweiz.
Dank Ihrer Unterstützung können wir die Vogelwelt überwachen, Gefahren erkennen, Lösungen entwickeln und Hilfe für bedrohte Arten leisten.

 

 

Jetzt spenden
Logo Zewo

Mit den uns anvertrauten Spendengeldern gehen wir sehr sorgfältig um. Seit vielen Jahren tragen wir das ZEWO-Gütesiegel für gemeinnützige Institutionen.

 

Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016

Vogelwelt im Wandel

Der Zustand der Vogelwelt spiegelt unseren Umgang mit der Natur und Landschaft. Dieser Atlas präsentiert die aktuellen Vorkommen, die Häufigkeit und die Höhenverbreitung aller Brutvögel der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein in bislang unerreichter Präzision. Vor allem aber zeigt er die markanten Veränderungen der Schweizer Vogelwelt in den letzten zwanzig bis sechzig Jahren. Das umfangreiche Werk ist eine zentrale Grundlage für den Schutz und die Förderung der einheimischen Vögel und ihrer Lebensräume.

Mehr erfahren