Einfluss des Windes auf nachts ziehende Vögel am Rand einer Gebirgskette
Zusammenfassung
Die Flugwege von mit Zielfolgeradar verfolgten Nachtziehern und Windmessballonen wurden verwendet, um die Reaktionen der Vögel auf Richtung und Stärke des Windes auf ihre individuellen Flughöhen zu analysieren. Als Radarstandort wurde ein Ort am Südostrand des Juragebirges (im Berner Seeland) gewählt, um das Verhalten der Vögel mit demjenigen von Zugvögeln über einem topografisch wenig strukturierten Gebiet in Süddeutschland zu vergleichen (Bruderer et al. im Druck). Zur Bestimmung einer potenziellen «Wunschrichtung» der Vogelgemeinschaft definierten wir die Basisrichtung BR als Mittelwert aller unter vernachlässigbarem Windeinfluss gemessenen Flugrichtungen einer ganzen Herbstsaison. Dann modellierten wir die Abweichungen von Flug und Eigenrichtungen zur BR für zunehmende Windgeschwindigkeiten in sechs Sektoren (je einen Links- und Rechts-Sektor von 45 ° für Winde von vorne und von hinten sowie je 90 ° für die seltenen Seitenwinde). Ein Vergleich der Eigengeschwindigkeiten Va 1 bestätigte die erwartete Zunahme von Va mit zunehmendem Gegenwind, und angedeutet auch bei Seitenwind. Eine minimale Reduktion von Va mit zunehmendem Rückenwind war nur in Höhen über der Gebirgskette (> 1500 m ü.M.) angedeutet. Dass die aufgrund abnehmender Luftdichte erwartete Zunahme von Va mit der Höhe fehlte, könnte mit reduzierter Nutzung von Flughöhen mit Gegenwinden und überproportionaler Nutzung von Rückenwinden im oberen Höhenbereich zusammenhängen. Flugrichtungen und Eigenrichtungen (je verglichen mit BR) zeigten Folgendes für zwei Höhenbereiche (unter und über den Jurakämmen): Die Hauptrichtungen der Vögel und der Winde waren (auch über den Kämmen) ± dem Verlauf der Gebirgskette angeglichen. Vor allem oberhalb der Kämme trat neben der Hauptrichtung oft eine kleine Kohorte von Jura-überquerenden Vögeln auf. Die sporadischen und schwachen Seitenwinde von rechts und links induzierten deutliche Drift über den Kämmen und partielle Kompensation darunter. Die meisten Vögel flogen bei (insgesamt vorherrschenden) westlichen und südwestlichen Gegenwinden. Gegenwinde von links (Gl) induzierten nur minimale Kompensation, aber vor allem in der Höhe breite Aufsplitterung der Flugrichtungen gegen rechts (entsprechend der Windrichtung) und gegen links bei Vögeln, die trotz N-Drift südwärts tendierten. Gegenwinde von rechts (Gr) waren begleitet von starkem Zug und voller Drift; bei zunehmender Windstärke trat ausgeprägte «Über-Drift» auf, weil viele Vögel ihre Eigenrichtung südwärts drehten. Rückenwinde (Rr und Rl) erforderten nur wenig Korrekturen, um nahe bei der BR zu bleiben; auffallend waren Mitwindbewegungen. Die Streuung der Richtungen war wesentlich geringer und Flugrichtungen entgegen der Herbstzugrichtung weniger häufig als in Süddeutschland. An beiden Standorten fiel das Überwiegen von Drift gegenüber Teil-Kompensation auf.
Mitarbeitende