Keiner zu klein, ein Pechvogel zu sein (29.12.2020)

    2020 wurden rund 1700 Vögel in die Pflegestation der Schweizerischen Vogelwarte gebracht – so viele wie noch nie. Haussperling, Amsel und Mauersegler führen die Liste der gefiederten Patienten an. Die Mitarbeitenden der Pflegestation versorgen die Vögel und unterstützen sie bei einem Neustart in die Freiheit.

    Amseln (im Bild ein Jungvogel) und Haussperlinge zählten 2020 zu den am häufigsten betreuten Vogelarten.
    Amseln (im Bild ein Jungvogel) und Haussperlinge zählten 2020 zu den am häufigsten betreuten Vogelarten.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte Bild in Druckqualität
    Gelegentlich sind auch seltene Vogelarten wie beispielsweise Waldschnepfen in der Pflegestation Patient. 2020 kümmerte sich die Pflegestation um zwei der seltenen Watvögel. Eine davon prallte mit einer Glasscheibe zusammen, was bei ziehenden Waldschnepfen leider immer wieder vorkommt.
    Gelegentlich sind auch seltene Vogelarten wie beispielsweise Waldschnepfen in der Pflegestation Patient. 2020 kümmerte sich die Pflegestation um zwei der seltenen Watvögel. Eine davon prallte mit einer Glasscheibe zusammen, was bei ziehenden Waldschnepfen leider immer wieder vorkommt.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte Bild in Druckqualität
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    Sempach. – Zum Jahreswechsel zieht auch die Pflegestation der Vogelwarte Bilanz. Für die Sempacher Vogelpflege war 2020 nach 2019 das zweite Rekordjahr in Folge! Heuer wurden rund 1700 verletzte, geschwächte oder verwaiste Vögel eingeliefert; gut 200 mehr als letztes Jahr. Ein Teil der Zunahme ist sicher teilweise darauf zurückzuführen, dass die Aufmerksamkeit der Bevölkerung dieses Jahr wegen der ungewöhnlichen Bedingungen höher war. Im vergangenen Frühling wendeten sich nämlich auch aussergewöhnlich viele Personen mit Fragen zu Vögeln an die Schweizerische Vogelwarte.

    Gut die Hälfte der Pechvögel, welche die Pflegestation entgegennahm, waren Jungvögel. Unter den Eingängen befanden sich jedoch auch zahlreiche verletzte Vögel, die von aufmerksamen Menschen aufgefunden und vorbeigebracht worden waren. Die Vögel erhalten professionelle Pflege und werden nach ihrer Genesung wieder in die Freiheit entlassen. Manche von ihnen weisen jedoch derart schwere Verletzungen auf, dass sie trotz Behandlung keine Chance mehr haben, gesund zu werden.
    Verletzungen entstehen oft dann, wenn Vögel mit einer Glasscheibe oder einem Fahrzeug kollidieren. Gerade der Zusammenstoss mit Glasscheiben gehört im Siedlungsraum zu den grössten Vogelschutzproblemen. Viele Verletzungen und Todesfälle könnten vermieden werden, wenn beim Bau eines Gebäudes Massnahmen getroffen und bestehende Scheiben für die Vögel mit Markierungen sichtbar gemacht werden.

    Wie im Vorjahr zählten Haussperling und Amsel zu den am häufigsten entgegengenommenen Vogelarten. An dritter Stelle standen Mauersegler, unter ihnen viele Jungvögel, die an heissen Sommertagen auf der Suche nach Abkühlung aus den Brutnischen stürzten. Mauersegler brüten oft direkt unter Hausdächern; bei starker Sonneneinstrahlung kann die Temperatur im Nest enorm ansteigen.

    Verglichen mit den betriebsamen Frühlings- und Sommermonaten, wo das Zwitschern und Piepsen der zahlreichen gefiederten Patienten eine beständige Geräuschkulisse darstellt, ist es während des Winters in der Pflegestation schon fast besinnlich ruhig. Dennoch gilt es auch jetzt noch gefiederte Patienten zu versorgen, die hoffentlich im neuen Jahr in Freiheit entlassen werden können.

    Vogel gefunden – was nun?
    Verletzte und kranke Vögel, aber auch Jungvögel gehören in die Hände von Fachleuten. Im Zweifelsfall kann man sich telefonisch an die Vogelwarte wenden: 041 462 97 00. Die Fachpersonen können abschätzen, welche Hilfe der Vogel braucht, und auch Tipps zum Transport geben.
    www.vogelwarte.ch/pflegestation
    Von einer Pflege zu Hause sei abgeraten. Die Haltung und Pflege einheimischer Vögel erfordert nämlich nicht nur Fachwissen und adäquate Haltungsbedingungen, sondern auch eine kantonale Bewilligung.

    Vogelkollisionen an Glas:
    Die Vogelwarte stellt umfassendes Informationsmaterial zur Verfügung, wie die Gefahr von Glas für Vögel reduziert werden kann:
    https://vogelglas.vogelwarte.ch

    Weitere Auskünfte

    Schweizerische Vogelwarte
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 00
    info@vogelwarte.ch