Vogelring als Identitätskarte (04.03.2020)

    Wie alt kann ein Wildvogel werden? Welche Distanzen legt er in seinem Leben zurück? In welchen Lebensphasen braucht ein Vogel unsere Unterstützung? Solche Fragen können nur beantwortet werden, wenn Vögel individuell erkennbar sind. Zu diesem Zweck werden Vögel mit Ringen ausgestattet. Die mit dem Ring verbundenen Informationen sind sehr wertvoll, darum sollte ein gefundener Ring unbedingt der Vogelwarte Sempach gemeldet werden.

    Viele Weissstörche tragen einen gut sichtbaren Ring. Wenn die vollständige Ringnummer ablesbar ist, sollte diese unbedingt mit Ort und Datum der Vogelwarte Sempach mitgeteilt werden.
    Viele Weissstörche tragen einen gut sichtbaren Ring. Wenn die vollständige Ringnummer ablesbar ist, sollte diese unbedingt mit Ort und Datum der Vogelwarte Sempach mitgeteilt werden.
    Foto © Stefan Gerth Bild in Druckqualität
    Für jede Vogelart gibt es einen passenden Ring. Die Ringe sind mit „Sempach Helvetia“ beschriftet.
    Für jede Vogelart gibt es einen passenden Ring. Die Ringe sind mit „Sempach Helvetia“ beschriftet.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte Bild in Druckqualität
    Die unentgeltliche Verwendung ist ausschliesslich im Zusammenhang mit dieser Medienmitteilung gestattet. Das korrekte Ausweisen des Fotoautors wird vorausgesetzt.

    Um herauszufinden, wie Vögel leben und was sie zum Überleben brauchen, ist es wichtig, Vögel individuell erkennen zu können. Da dies bei den meisten Vögeln im Freiland nicht möglich ist, werden ihnen Ringe mit einer einmaligen individuellen Zahlen- und Buchstabenkombination angelegt. Nur so erhalten Forschende Informationen zu Alter, zurückgelegten Distanzen und Todesursachen. Der Ring ist somit eine Identitätskarte für Vögel.

    Die Informationen aus der Beringung dienen auch zum Schutz der Vögel. So konnte die Vogelwarte beispielsweise dank Ringablesungen die Überlebensraten von Kiebitzen berechnen. Es zeigte sich, dass bei Kiebitzen in erster Linie nicht das Überleben der Altvögel entscheidend ist, sondern vielmehr die Anzahl überlebender Jungvögel. Um die Population zu stabilisieren, muss also die Überlebensrate der Jungvögel verbessert werden. In einem Förderprojekt setzt die Vogelwarte dies mit Erfolg um, indem sie Nester zum Schutz vor landwirtschaftlichen Maschinen markiert und mit Zäunen Räuber fernhält.

    Dank der Beringung von Turmfalken konnte die Vogelwarte zeigen, dass das Aufhängen von Nistkästen eine gute Fördermassnahme für die Art ist. Der Bruterfolg ist in Nistkästen höher als in natürlichen Brutplätzen, was zu einer Zunahme des Bestands führt. Aber nicht nur das: Jungvögel besiedeln andere Gebiete und können so sogar mithelfen, andere Populationen zu stärken.

    Solch spannende Einblicke in das Leben der Vögel erhalten wir nur, weil Funde von beringten Vögeln gemeldet werden. Bei einigen grossen Vögeln wie dem Weissstorch kann manchmal sogar der Ring auf grosse Distanz abgelesen werden. Ausserdem kommt es vor, dass ein beringter Vogel in eine Scheibe fliegt oder von einer Katze nach Hause gebracht wird. Diese Funde sind sehr wertvoll und sollten inklusive der vollständigen Ringnummer unbedingt der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach gemeldet werden. So hat man sich nicht nur aktiv an der Vogelforschung beteiligt, sondern erfährt erst noch Spannendes über das bisherige Leben des entsprechenden Vogels.

    Ringe von Wildvögeln melden
    Ringe mit der Aufschrift „Sempach Helvetia“: www.vogelwarte.ch/ring
    Andere Ringe: www.ring.ac
    Farbige Ringe: www.cr-birding.org

    Andere Meldestellen
    Ringe von Zuchttauben: www.zugeflogen.contactus.ch
    Aufgefundene und vermisste Tiere: www.stmz.ch

    Weitere Auskünfte

    Schweizerische Vogelwarte
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 00
    info@vogelwarte.ch