Ausbreitung von Arvensamen durch den Tannenhäher

Wie individuelles Verhalten Ökosystemfunktionen prägt

Der Tannenhäher und die Arve (auch Zirbelkiefer; Pinus cembra) bilden einen bemerkenswerten Mutualismus: Der Tannenhäher ernährt sich von Arvensamen, während die Arve für ihre Ausbreitung wiederum den Tannenhäher benötigt. Doch nicht alle Tannenhäher verstecken ihre Samen an geeigneten Orten. Unser Projekt untersucht, wie individuelle Unterschiede und entwicklungsbedingte Veränderungen im Samenversteckverhalten diese Partnerschaft beeinflussen. Mithilfe von GPS-Sendern und ökologischen Modellen zeigen wir, wie diese Verhaltensweisen das Überleben und die Fortpflanzung der Vögel sowie die Verjüngung der Arve bestimmen.

Bereich Forschung
Ressort Ökologische Forschung
Themen Vögel und Mensch, Ausbreitungsökologie, Ökologie
Lebensraum Hochgebirge, Wald
Projektstart 2024
Projektstatus laufend
Projektleitung Matthias Tschumi
Projektregion Graubünden

Details

Projektziele

Wir untersuchen, wie individuelle Verhaltensunterschiede des Tannenhähers und deren ontogenetische Veränderungen einerseits seine Fitness und andererseits die Ausbreitung der Arve beeinflussen. Dazu (1) charakterisieren wir Verhaltenstypen bei der Samenausbreitung und deren Entwicklung, (2) quantifizieren die Auswirkungen auf Überleben, Fortpflanzung und Abwanderung der Tannenhäher und (3) modellieren, wie diese Verhaltensweisen die Arvenverjüngung und deren Höhenverschiebungen im Klimawandel prägen.

Vorgehen

Wir fangen junge und adulte Tannenhäher in den Schweizer Alpen und statten sie mit solarbetriebenen GPS-Sendern aus. Dies erlaubt uns, ihre ganzjährigen Bewegungen zu erfassen. GPS- und Beschleunigungsdaten helfen dabei, Versteck-, Überlebens- und Brutverhalten zu identifizieren. Mithilfe von Bewegungsanalysen und ökologischen Modellen verknüpfen wir Verhaltenstypen und deren Entwicklung mit Überleben, Fortpflanzung und Abwanderung der Vögel. Abschliessend integrieren wir diese Daten mit Keimungsmodellen der Arve, um die Auswirkungen auf die Waldentwicklung unter Klimawandelszenarien vorherzusagen.

Bedeutung

Dieses Projekt schließt eine entscheidende Wissenslücke: Wie beeinflussen individuelle Verhaltensunterschiede und deren ontogenetische Entwicklung grundlegende Ökosystemfunktionen? Durch die Untersuchung des Mutualismus zwischen Tannenhäher und Arve wollen wir aufzeigen, wie und unter welchen Bedingungen spezifische Verhaltensweisen die Fitness beider Partner fördern oder hemmen. Diese Erkenntnisse verbessern unser ökologisches Verständnis, verfeinern Prognosen zu Ökosystemreaktionen auf den Klimawandel und unterstützen den Schutz emblematischer alpiner Lebensräume.

Ergebnisse

Wir fanden individuelle und altersbedingte Unterschiede im Samenversteckverhalten der Tannenhäher. Adulte Vögel zeigten zwei Strategien: Kurzstrecken-Samenausbreitung mit Verstecken in höheren Lagen oder Langstrecken-Samenausbreitung mit Verstecken in tieferen Lagen. Juvenile Tannenhäher breiteten Samen über grössere Distanzen und in höheren Lagen aus als adulte; waren jedoch weniger effizient und geschickt im Umgang mit Zapfen. Diese individuellen und ontogenetischen Unterschiede beeinflussen Menge, Qualität und räumliche Verteilung der Samen – mit potenziellen Folgen für die Arvenverjüngung.

Projektpartner

Donatoren

  • Yvonne Jacob Stiftung

Mitarbeitende

Betroffene Vogelarten

Vogelarten
Tannenhäher
Der Tannenhäher ist ein ausgesprochener Nadelwaldbewohner. Er frisst am liebsten Arven- und Haselnüsse. Im Herbst klaubt er die Arvennüsse aus den Zapfen, verstaut sie in grosser Zahl in seinem unter der Zunge gelegenen Kehlsack und transportiert sie in Vorratsverstecke. Der Tannenhäher vollbring...
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Ökologische Forschung link
Ressort

Ökologische Forschung

Wir untersuchen die vielfältigen Wechselwirkungen von Vögeln mit ihrer Umwelt, vom individuellen Ansiedlungsverhalten bis zu Artengemeinschaften.

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