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Seggenrohrsänger
News - Hintergrund

Den Seggenrohrsänger richtig fördern

August 2026

Der Seggenrohrsänger brütet weltweit nur in offenen nassen Seggenwiesen Osteuropas. In den letzten hundert Jahren ist der Bestand des einst verbreiteten Singvogels wegen Lebensraumzerstörung um neunzig Prozent eingebrochen. Ein integriertes Populationsmodell zeigt nun, wie sein Bestand in Randregionen effektiv gefördert werden kann

Der Seggenrohrsänger ist stark auf Schutz- und Fördermassnahmen angewiesen. Mittlerweile konzentrieren sich 75 Prozent des Weltbestands von rund 11 000 Sängern in vier Gebieten in Polen, Weissrussland und der Ukraine.

Um die Population in Westpolen zu stärken, wo der Bestand nach wie vor zurückgeht und mittlerweile praktisch erloschen ist, wurden 2023 und 2024 unter anderem Jungvögel aus den Kerngebieten ausgesetzt. Diese Massnahme wird als Translokation bezeichnet. Mit dem Seggenrohrsänger wurde eine solche Translokation erstmals bei einem Langstreckenzieher durchgeführt. Die niedrige Überlebensrate von Jungvögeln entlang des Zugweges und die geringe Brutplatztreue sind eine besondere Herausforderung.

Mit einem integrierten Populationsmodell aus verschiedenen Datensätzen haben Forschende mit Beteiligung der Vogelwarte nun untersucht, welche Faktoren für den Rückgang in Westpolen verantwortlich waren und welche Kombination aus Translokation, Lebensraumaufwertung und Erhöhung der Überlebensrate für eine stabile Population erforderlich ist.

Das Modell zeigte, dass vor allem das Ausbleiben von Zweitbruten aufgrund von zu früher Wiesenmahd während der Brutzeit für den Populationsrückgang in Westpolen verantwortlich war. Um dort wieder eine überlebensfähige Population zu etablieren, braucht es Translokation von Jungvögeln aus den Kernpopulationen über mehrere Jahre. Diese sind aber nur sinnvoll, wenn gleichzeitig die Grünlandbewirtschaftung angepasst wird, um eine zweite Brut zu ermöglichen und ausserdem die Fläche der Brutlebensräume auf mindestens 1000 Hektar aufgewertet werden, damit die jährliche Überlebenswahrscheinlichkeit steigt.

Arbeiter, S., Ž. Morkvėnas, J. A. Badia- Boher & S. Oppel (2026): Reinforcement is not enough to establish a viable population of the globally threatened Acrocephalus paludicola (Aquatic Warbler) at the margin of its breeding range. Ornithological Applications 128: 1–11. https://doi. org/10.1093/ornithapp/duag012.

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