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© Marcel Burkhardt

Fütternde Mehlschwalbe an einem Kunstnest. In der Schweiz brütet mittlerweile etwa die Hälfte aller Mehlschwalben in Kunstnestern.

News - Hintergrund

Ein Kunstnest macht noch keinen Frühling

Mai 2026

Mehlschwalben brüten bei uns überwiegend in Kunstnestern. Ihre fach- und standortgerechte Montage ist das A und O für eine erfolgreiche Förderung. Ansonsten bleibt es bei einer gut gemeinten Aktion, die wirkungslos bleibt oder im schlimmsten Fall sogar zur Falle werden kann.

Jeden Frühling freuen wir uns auf die Rückkehr der Mehlschwalbe. Trotz der Freude nimmt vielerorts die Toleranz für die Flugkünstlerin ab, weil sie Fassaden verschmutzen kann. Dazu kommt, dass bei Gebäudesanierungen geeignete Stellen für Nester entfernt werden. Neue Gebäude wiederum haben oft gar keine solchen Vorsprünge mehr und eine viel zu glatte Oberfläche, als dass Mehlschwalben dort ihre Nester bauen könnten. Ebenfalls wird vielerorts der Boden versiegelt, weshalb lehmige Bodenstellen und damit Material für den Nestbau fehlen.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurden vielerorts Kunstnester angebracht. Mittlerweile brütet etwa die Hälfte aller Mehlschwalben in der Schweiz in Kunstnestern – in mehreren Kantonen ist der Anteil sogar bei 80–100 Prozent. Bei einem Brutbestand von 70 000 bis 90 000 Paaren sind das in der Schweiz mehrere zehntausend besetzte Kunstnester! Dies ist einerseits ein toller Erfolg für die Artenförderung. Es zeigt andererseits auch, wie stark die Mehlschwalbe von menschlicher Unterstützung abhängig ist.

Kunstnester richtig einsetzen

Damit die Mehlschwalben Kunstnester für die Brut annehmen, ist es besonders wichtig, dass diese fach- und standortgerecht angebracht werden. Der Luftraum unterhalb des Neststandorts muss auf einer Höhe von mindestens drei Metern hindernisfrei sein. Kunstnester sollten zudem oben ganz am Unterdach anliegen. Andernfalls muss über dem Nest ein Holzkeil mit einem Winkel von mindestens 45 Grad angebracht werden. Damit wird verhindert, dass Nesträuber wie Marder oder Krähenvögel auf den Balken sitzen und von dort die Nester plündern können. Die Himmelsrichtung des Neststandorts spielt kaum eine Rolle, allerdings sollte zum Schutz vor Regen das Dach über dem Nesteingang mindestens 15 Zentimeter vorspringen. Es ist zudem sinnvoll, gleich mehrere Kunstnester nebeneinander aufzuhängen. Um Fassadenverschmutzung zu vermeiden, sollten die Nester möglichst mit etwas Abstand zur Fassade montiert werden. Eine gute Alternative ist das Anbringen von Kotbrettern, die sich mindestens 60 Zentimeter unterhalb der Nester befinden sollten.

Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Nähe zu bestehenden Brutstandorten sowie das Abspielen von Mehlschwalbenrufen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Kunstnester entdeckt und besiedelt werden. Dazu sollen die Rufe vor der Rückkehr der Mehlschwalben im April bis in den Juli hinein jeweils morgens und abends für rund zwei Stunden abgespielt werden. Optimal ist eine geringe Entfernung von bis zu 500 Meter zu bestehenden Brutstandorten. Ab einer Entfernung von einem Kilometer ist eine Besiedlung unwahrscheinlich. Kunstnester sollten zudem nach Möglichkeit alle drei Jahre gereinigt werden, oder spätestens dann, wenn die Besetzung plötzlich abnimmt. Mit der Reinigung werden allfällig vorhandene Parasiten entfernt.

Nester sind geschützt

Kunstnester sind zwar wichtig, um den Bestand der Mehlschwalbe zu sichern. Aber nur, wenn sie richtig angebracht und instandgehalten werden, können Mehlschwalben sie über viele Jahre hinweg nutzen. Mehrjährig genutzte Nester, wie es bei der Mehlschwalbe der Fall ist, stehen ganzjährig unter Schutz. Es ist also verboten, diese Nester zu beschädigen, zu zerstören oder wegzunehmen. Ist eine Entfernung unumgänglich, ist vorgängig die zuständige kantonale Behörde zwecks Einholung einer Ausnahmebewilligung zu konsultieren. Wir alle tragen eine grosse Verantwortung für die Mehlschwalbe, indem wir ihre Lebensräume schützen und Nistgelegenheiten zur Verfügung stellen. Wenn wir Kunstnester fach- und standortgerecht montieren und bestehende Neststandorte schützen, können wir uns auch in Zukunft im Frühling auf die Rückkehr der Mehlschwalben freuen.