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© Markus Bernet via WikimediaCommons CC-BY-SA-4.0

Das Tessin umfasst vom tiefsten Punkt der Schweiz in der Magadinoebene bis zu den Hochalpen unterschiedlichste Lebensräume. Um die spezielle Vogelwelt zu überwachen und zu schützen, hat die Vogelwarte vor 10 Jahren die Regionalstelle Tessin ins Leben gerufen.

News - Hintergrund

Tessiner Spezialitäten

Mai 2026

2026 feiert die Regionalstelle Tessin der Vogelwarte ihr zehnjähriges Bestehen. Sie setzt verschiedene Monitoring- und Förderprojekte zu den besonderen Vogelarten der Südschweiz um, die von der Magadinoebene bis in die Hochalpen reichen.

Südlich des Gotthards ändern sich Sprache, Naturgeografie und Klima. Das gilt auch für die Vögel: Der Italiensperling ersetzt den Haussperling und die Nebelkrähe löst die Rabenkrähe ab. Tessiner Spezialitäten, wie Blaumerle und Rotsterniges Blaukehlchen, brüten nur wenige Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Dieser besondere Kontext erfordert besondere Aufmerksamkeit. Aus diesem Grund hat die Vogelwarte 2016 die «Antenna ticinese» ins Leben gerufen, um direkt vor Ort Projekte durchzuführen und mit regionalen Partnern zusammenzuarbeiten.

Tessiner Besonderheiten im Blick

Der Italiensperling kommt in der Schweiz fast nur im Tessin vor. Lange war nicht klar, wie sich der Bestand der nahezu bedrohten Art entwickelt. Die Regionalstelle startete deshalb 2020 ein Monitoring, um Antworten auf Fragen zu Häufigkeit und Verbreitung geben zu können. Zusammen mit Daten aus dem «Monitoring Häufige Brutvögel» können wir für den Italiensperling nun erstmals einen Bestandsindex berechnen. Dieser fluktuiert und zeigt keinen eindeutigen Trend.

Eine weitere Besonderheit des Tessins ist die Blaumerle, die hier in Europa ihre nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Ihren Bestand erheben wir ebenfalls seit 2020 in ausgewählten Perimetern an natürlichen Felswänden und in Steinbrüchen. Zu Beginn des Monitorings zählten wir 24 Reviere, mittlerweile ist der Bestand leicht zurückgegangen auf 18 Reviere. Weitere Vogelarten, die speziell überwacht werden, sind Schafstelze und Zwergohreule in der Magadinoebene und in höheren Lagen die kleine Brutpopulation des Rotsternigen Blaukehlchens.

All diese Projekte wären ohne die tatkräftige Unterstützung durch engagierte Freiwillige im Tessin nicht möglich. Deshalb stand von Beginn an ihre Betreuung im Vordergrund. Für sie bietet das Büro der Regionalstelle in Contone, gelegen zwischen Bellinzona und Locarno, eine willkommene Ansprechstation.

Vögel fördern und Menschen begeistern

Die Arbeit in der Artenförderung betrifft in erster Linie das Braunkehlchen und andere Wiesenbrüter. Der Schwerpunkt liegt auf dem ökologisch besonders wertvollem Gebiet Dötra, das für seine reichhaltige Flora und Fauna bekannt ist. Hier konnten wir in den letzten Jahren dank der Zusammenarbeit mit den Landwirten, der Stiftung Dötra und dem Kanton den Bestand des Braunkehlchens und anderer Wiesenbrüter stabilisieren. Weitere Tätigkeiten der Regionalstelle umfassen vor allem Lebensraumaufwertungen, Konfliktberatung und Umweltbildung.

Da im Tessin italienisch gesprochen wird, übernimmt die Regionalstelle deutlich mehr Öffentlichkeitsarbeit als die anderen Regionalstellen. Zu festen Zeiten bieten wir einen Auskunftsdienst für Anfragen aus der Bevölkerung an. Zusätzlich beteiligen sich unsere Mitarbeitenden an Veranstaltungen wie dem Greenday in Bellinzona und organisieren Führungen und Vorträge. Den Höhepunkt bildet jeden Herbst die «Giornata», eine gemeinsam mit Ficedula und BirdLife organisierte Veranstaltung für Freiwillige und interessierte Personen. Dank der Arbeit der Regionalstelle erscheinen praktisch alle Medienmitteilungen der Vogelwarte auch auf Italienisch, und wir sind in Presse, Radio und TV präsent. Mit diesem Teil der Arbeit sensibilisieren wir die Menschen vor Ort und begeistern sie für den ornithologischen Schatz südlich des Gotthards.

Contone (TI)

Regionalstelle Tessin

Die Regionalstelle Tessin wurde im Jahr 2016 gegründet mit dem Ziel, die Präsenz der Vogelwarte in der italienischsprachigen Schweiz zu verstärken. Sie koordiniert die Monitoringprojekte mit den ehrenamtlichen Ornithologen/-innen und bringt Vogelschutzanliegen in Zusammenarbeit mit Partnern voran. Die Regionalstelle kümmert sich um den Auskunftsdienst und die Medienanfragen in italienischer Sprache. Weitere Schwerpunktthemen sind die ökologische Aufwertung der Kulturlandlebensräume sowie die spezifische Artenförderung für ausgewählte Arten (Braunkehlchen, Schafstelze).

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