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Der Haselhahn hat eine gut sichtbare schwarze Kehle.

News - Hintergrund

Raufusshuhn unter dem Radar

August 2026

Birkhuhn und Alpenschneehuhn sind recht gut bekannt, und vom Auerhuhn ist regelmässig die Rede. Das Haselhuhn jedoch, das vierte der einheimischen Raufusshühner, kennen die wenigsten, obschon es in höheren Lagen weit verbreitet ist.

Von den vier einheimischen Raufusshuhnarten ist das Haselhuhn das leichteste und gemeinsam mit dem Alpenschneehuhn das kleinste. Hahn und Henne sind gleich gross, erreichen ungefähr die Grösse einer Strassentaube und wiegen rund 400 Gramm. Hahn und Henne haben dieselbe Gefiederfarbe. Der einzige deutlich sichtbare Unterschied im Gefieder ist der schwarze Kehlfleck, den es nur beim Hahn gibt.

Ein heimliches Waldhuhn

Von allen einheimischen Raufusshuhnarten ist das Haselhuhn die am wenigsten bekannte. Heimlich im Wald lebend und meist sehr aufmerksam wegen möglicher Feinde, bekommt man es nur selten zu Gesicht. Am auffälligsten ist der Gesang, der mit seiner hohen Tonlage eher an einen Singvogel erinnert.

Das Haselhuhn kommt in den Alpen, den Voralpen und im westlichen Jura vor. Dieses Verbreitungsgebiet in der Schweiz ist seit 30 Jahren im Wesentlichen unverändert. Die einzige Ausnahme ist der Jura, wo das Haselhuhn aus den östlichen Teilen verschwunden ist. Im Mittelland ist das Haselhuhn eine seltene Erscheinung, aber das war es sehr wahrscheinlich auch früher schon. In den Alpen hingegen ist es ab einer Höhe von ungefähr 1100 m ü. M. weit verbreitet und stellenweise häufig. In tieferen Lagen sind Nachweise auch in den Alpen selten.

Was braucht das Haselhuhn?

Analog zu den anderen Raufusshühnern ernähren sich adulte Haselhühner weitgehend vegetarisch. In den wärmeren Jahreszeiten suchen die Vögel vor allem in Bodennähe nach Blättern, Samen und Früchten. Sobald aber ab Herbst die bodennahe Vegetation unter dem Schnee verborgen ist, stellen sie auf Nahrungsquellen um, die sie auf Sträuchern und Bäumen finden. Aufgrund seines geringen Gewichts ist das Haselhuhn in der Lage, auf kleinen Zweigen zu balancieren und gezielt nach energiereicher Nahrung wie Beeren und Kätzchen zu suchen. Diese Spezialisierung auf energiereiche Nahrung im Winter hat zur Folge, dass das Haselhuhn auf beeren- oder kätzchentragende Strauch- und Baumarten angewiesen ist.

Neben diesen Nahrungsaspekten ist in einem guten Haselhuhn-Lebensraum ein weiteres Element von zentraler Bedeutung, nämlich die Deckung. Wegen seiner geringen Körpergrösse kommt das Haselhuhn für etliche Beutegreifer als Nahrung in Frage, beispielsweise für Fuchs, Marder, Habicht und Sperber. Das Bedürfnis nach Sichtschutz ist darum ausserordentlich gross, und da dies auch im Winter wichtig ist, braucht das Haselhuhn in seinem Lebensraum Nadelbäume. Ein guter Haselhuhn-Lebensraum ist folglich ein Nadel- oder Mischwald mit genügend Lücken, in denen die Sträucher gedeihen, die die Winternahrung bieten.

Das Haselhuhn bleibt wegen seines stark ausgeprägten Deckungsbedürfnisses meist unsichtbar, was die systematische Suche aufwändig macht. Am ehesten erfolgversprechend sind Begehungen im späten Winter bei geschlossener Schneedecke. Kot und Fussspuren sind auf dem Schnee in der Regel gut sichtbar. Liegt jedoch kein Schnee, entstehen fast keine Fussspuren, und Kot ist in der Vegetation kaum zu sehen. Haselhähne bilden jedoch, anders als Auer- und Birkhähne, keine Balzplätze, sondern markieren bzw. verteidigen Reviere, ähnlich wie die meisten Singvögel. Das tun sie mit ihrem charakteristischen Gesang, der aus einem längeren sowie mehreren kurzen Pfiffen besteht.

Von Akustik zur Artenförderung

Unter diesen Voraussetzungen ist der Einsatz von Akustikloggern eine Möglichkeit, Haselhühner nachzuweisen. Singen Haselhähne in Hörweite eines solchen Gerätes, wird der Gesang aufgenommen und kann analysiert werden. Die wahre Herausforderung ist ebendiese Analyse: Werden mehrere solcher Logger über Wochen eingesetzt, entstehen mehrere Hundert oder sogar Tausend Tondokumente. Die Suche nach Haselhahn-Gesängen ist in solchen Fällen nur per Software möglich. Eine davon ist BirdNet, ursprünglich eine gemeinsame Entwicklung der Universität Marburg und dem Cornell Lab of Ornithology in den USA. Die Vogelwarte entwickelte BirdNet so weiter, dass es bei der Suche nach Haselhuhn- Gesängen fast keine Fehler mehr macht. Von 111 registrierten Haselhahn- Gesängen im Rahmen eines Projekts im Kanton Uri waren nur deren zwei falsch, alle anderen korrekt.

Das Haselhuhn steht in der Schweiz nicht als gefährdete Art auf der Roten Liste, wird aber in der Kategorie «nahezu bedroht» aufgeführt. Je nach Region können deshalb Fördermassnahmen sinnvoll sein. In höheren Lagen, wo Nadelwälder dominieren, reicht es in der Regel, kleinere Lücken in den Wald zu schlagen. In den weitaus meisten Fällen kommen darin jene Sträucher auf, die die Winternahrung tragen, womit sowohl Deckung als auch Winternahrung kleinräumig verfügbar sind. An Mischwald- Standorten in tieferen Lagen ist die Haselhuhn-Förderung schwieriger und in vielen Fällen kaum sinnvoll. Sobald sich auf Waldlichtungen nur die Buche verjüngt und die Straucharten mit der Winternahrung nicht aufkommen, werden sich keine Haselhühner ansiedeln. Auf reinen Laubwaldstandorten ist Haselhuhn-Förderung nicht erfolgversprechend. Es gibt aber ausreichend Nadelwaldstandorte, auf denen wir den Lebensraum für das Haselhuhn und andere seltene Arten, die eine vielfältigere Waldstruktur benötigen, sinnvoll verbessern können.

Artenförderkonzept Haselhuhn

Die aktuelle Situation und der Handlungsbedarf in der Haselhuhn-Förderung sind in einem Konzept beschrieben, das die Vogelwarte vor kurzem erstellt hat. Aus nationaler Sicht gibt es vor allem im Jura Handlungsbedarf, denn dort hat sich das Verbreitungsgebiet seit den 1990er-Jahren verkleinert. Aus kantonaler oder regionaler Sicht kann Haselhuhn-Förderung aber auch in den Alpen sinnvoll sein.

www.vogelwarte.ch/artenfoerderung-haselhuhn

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Vogelarten
Haselhuhn
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