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© Simon Hohl

Die typischen Vogelarten des Kulturlands bevorzugen Säume, Brachen und extensiv genutzte Wiesen, in denen niedrige Buschgruppen bis 3 Meter Höhe und mit hohem Dornanteil vorhanden sind.

News - Hintergrund

Biodiversitätsförderflächen nützen Kulturlandvögeln

August 2026

Mit neuen Methoden können wir zeigen, dass über drei Viertel der Reviere der typischen Kulturlandvögel in Biodiversitätsförderflächen liegen. Dennoch könnten viele Flächen weiter aufgewertet werden, idealerweise durch die Pflanzung niedriger Dornbuschgruppen.

Die Bestände vieler typischer Vogelarten des Kulturlands sind in den letzten Jahrzehnten europaweit deutlich zurückgegangen, so auch in der Schweiz. Seit über 20 Jahren wird versucht, einem weiteren Verlust mit verschiedenen Massnahmen im Rahmen der Agrarpolitik entgegenzuwirken. Mit Brachen, extensiv genutzten Wiesen und Hecken soll eine Trendumkehr gelingen. Immer wieder kommt dabei die Frage auf, ob diese Biodiversitätsförderflächen (BFF) Wirkung zeigen und was es bräuchte, um deren Wirkung zu erhöhen.

Reviere hauptsächlich bei BFF

Genau das haben wir im Grossen Moos basierend auf systematisch erhobenen Brutvogeldaten, räumlichen Daten des Bundes zur Nutzung der Landwirtschaftsflächen sowie mit Fernerkundungsdaten (LiDAR) untersucht. Das Grosse Moos liegt in den Kantonen Bern und Freiburg und ist ein Hotspot der Biodiversität in der Schweiz. Das Gebiet wird intensiv ackerbaulich genutzt, zum Beispiel für den Anbau von Gemüse. Der Anteil der BFF an der Landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt bei 9,1 % und somit deutlich unter dem schweizweiten Durchschnitt in der Talzone, der 15,8 % beträgt.

Um die Wichtigkeit von BFF zu eruieren, haben wir die genaue Position von über 3500 Revieren sieben typischer Kulturlandarten ausgewertet: Dorngrasmücke, Goldammer, Grauammer, Nachtigall, Neuntöter, Schwarzkehlchen und Sumpfrohrsänger. 80 % der Reviere lagen innerhalb der landwirtschaftlichen Nutzfläche, und hiervon konzentrierten sich drei Viertel der Reviere in oder direkt angrenzend an BFF. Trotz ihres geringen Flächenanteils gehören BFF somit zu den letzten Rückzugsorten für die typischen Vogelarten des Kulturlands.

Optimierung der extensiv genutzten Wiesen

Obwohl BFF derart wichtig sind für die untersuchten Arten, beherbergten mehr als die Hälfte aller BFF im Grossen Moos kein einziges Revier der ausgewählten Arten. Von den extensiv genutzten Wiesen, dem mit Abstand häufigsten BFF-Typ im Grossen Moos und der Schweiz, waren sogar 70 % nicht besetzt.

Um besser herauszufinden, welche der extensiv genutzten Wiesen von den ausgewählten Vogelarten besetzt sind, haben wir Satellitendaten und Feldkartierungen von Schwarzdorn und Weissdorn berücksichtigt. Die Daten zeigen, dass die Menge, Grösse und der Dornanteil direkt auf oder in unmittelbarer Nähe zur extensiv genutzten Wiese bei der Revierverteilung eine Schlüsselrolle spielten. Ohne Gehölze fehlten die untersuchten Vogelarten weitgehend. Mit steigendem Anteil niedriger Gehölze unter 3 Meter Höhe mit hohem Dornanteil nahmen die Vogelreviere zu. Der Effekt war nur schwach positiv bei Gehölzen über 3 Meter Höhe, unabhängig vom Dornanteil.

Zudem war die Anzahl Vogelreviere in einer extensiv genutzten Wiese doppelt so hoch, wenn im Umkreis von 500 Metern ein Anteil von 30 % BFF vorhanden war. Die Anzahl von Vogelrevieren in isolierten BFF war dagegen deutlich reduziert. Der Vernetzung geeigneter Lebensräume kommt somit eine hohe Bedeutung zu.

Schliesslich nutzten wir die Modelle, um die Situation im gesamten Schweizer Mittelland abzuschätzen. Dabei zeigte sich, dass mehr als 80 % der extensiv genutzten Wiesen in unmittelbarer Umgebung einen sehr geringen Anteil geeigneter Buschgruppen aufweisen, was das grosse Aufwertungspotenzial hervorhebt.

Die Untersuchung unterstreicht den Wert punktgenauer Brutvogeldaten, die in Kombination mit Lebensraumdaten sehr detaillierte Auswertungen ermöglichen. Basierend auf den Ergebnissen empfehlen wir zur Förderung typischer Kulturlandvögel, hochwertige BFF und deren Vernetzung zu fördern und extensiv genutzte Wiesen, insbesondere strukturlose der Qualitätsstufe I, mit niedrigen Dornbuschgruppen aufzuwerten.

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Dorngrasmücke
Goldammer
Grauammer
Nachtigall
Neuntöter
Schwarzkehlchen
Sumpfrohrsänger