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© Schweizerische Vogelwarte

Kleingewässer mit strukturreichen Landlebensräumen wie Asthaufen, Stein- und Sandhaufen bieten ideale Bedingungen für die Geburtshelferkröte.

News - Hintergrund

Eine Landschaftskammer im Aufschwung

August 2026

Die Bergmatte in Reigoldswil BL in der Region Wasserfallen wies ein hohes Potenzial für die Biodiversität auf. Dank einem Projekt im Rahmen von «Aufschwung für die Vogelwelt» hat sie sich zum vielfältigen Lebensraum gemausert.

Die Bergmatte bei Reigoldswil BL war früher ein extensiv genutzter Obstgarten mit Beweidung. Mit der Zeit starben die Obstbäume ab, wurden aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht ersetzt. Dennoch hatte die 10 Hektar grosse Fläche ein beachtliches Potenzial für die Biodiversität. Mittlerweile sind grosse Ast- und Steinhaufen aufgeschichtet, fünfzig Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, über ein Kilometer Waldrand aufgelichtet und Krautsäume angelegt.

Die Aufwertungen schaffen eine ideale Umgebung für Vögel wie den Grauspecht und den Neuntöter, Reptilien wie die Zauneidechse und die Barrenringelnatter und Kleinraubtiere wie das Hermelin und das Mauswiesel. Einige dieser Arten kommen im Gebiet bereits vor. Vernetzende Lebensraumelemente wie Feldgehölze und Säume sowie die Auflichtung der Waldränder schaffen Zugang. Blumenwiesen, Altgrasstreifen und Strauchgruppen aus Wildgehölzen erhöhen zusätzlich die Artenvielfalt bei den Pflanzen und den Insekten.

Für die Förderung der Geburtshelferkröte, deren nächstes Vorkommen etwa 500 Meter entfernt liegt, wurden vier Kleingewässer im Kulturland und zwei im aufgelichteten Waldrand erstellt. Besonders wichtig für diese Amphibienart ist ein geeigneter Landlebensraum mit sonnenexponierten Böschungen auf lockeren Böden und spärlicher Vegetation gerade beim Fortpflanzungsgewässern, da sie nicht besonders wanderfreudig ist. Deshalb wurden im Umfeld der Kleingewässer Verstecke wie Stein- und Asthaufen aufgeschichtet. Ergänzt mit Sandhaufen und Strauchgruppen entstanden vielfältige Lebensrauminseln.

Ein besonderes Element ist die langfristige Erhaltung eines Holzpfahlweidezauns von knapp einem Kilometer Länge. Im Unterschied zu mobilen Zäunen, die heute auf vielen Weiden eingesetzt werden, bleibt der Holzzaun als ganzjährige Kleinstruktur und Ansitzwarte bestehen. Im Bereich der Holzpfosten und im Altgras können sich Wiesenameisen ansiedeln. Sie sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für Grau- und Grünspecht. Dieses Landschaftselement wirkt wie ein Rückgrat in der Landschaft, weil hier gezielt Altgrasstreifen stehen gelassen und Buschgruppen gepflanzt werden.

Die ans Kulturland angrenzenden Waldränder werden aufgelichtet, um die Verzahnung von Wald und Grünland zu verbessern. Insbesondere gegen Norden liegende Waldränder erhalten im Zusammenhang mit dem Klimawandel eine grössere Bedeutung für die Artenvielfalt. Hier gibt es auch in heissen Sommern ein milderes Mikroklima, was viele Pflanzen und Kleintiere schätzen. In vielen Forstplänen geniesst ihr Unterhalt jedoch keine Priorität, und deren Finanzierung ist nicht gesichert. Im Rahmen des Aufschwungprojekts der Vogelwarte ist die Nachpflege für solche Waldrandabschnitte für die kommenden 30 Jahre finanziert.

Möglich wurde das dank einer Zusammenarbeit zwischen Vogelwarte, Pro Natura Baselland, den beteiligten Landwirten und dem lokalen Forstbetrieb. Nach Abschluss der Aufwertungsphase setzt ab 2027 die Pflegephase ein. Sie wird durch eine Erfolgskontrolle begleitet. 2024 war der Ausgangszustand für die Vögel, Amphibien und Wiesenvegetation dokumentiert worden. Diese Artengruppen sowie Reptilien und Wiesel werden nun alle drei Jahre bis zum Projektende erfasst. Je nach Ergebnis diskutieren die Bewirtschaftenden und die Projektträgerschaft den Pflegeplan gemeinsam und passen ihn wenn nötig an. Diese Projektphase dauert bis 2042, wobei die Bewirtschaftenden bei der Pflege und dem Unterhalt begleitet und auch finanziell von der Vogelwarte unterstützt werden. So wollen wir das Bestmögliche für die Zielarten und die Artenvielfalt erreichen und die Bergmatte als wertvollen Lebensraum erhalten.

Projektträgerschaft

Das Projekt wird gemeinsam getragen von der Gemeinde Reigoldswil, dem Kanton Baselland, der Sophie und Karl Binding Stiftung, dem Fonds Landschaft Schweiz, der Ernst Göhner Stiftung, der temperatio Stiftung, der Hermann und Elisabeth Walder-Bachmann Stiftung, dem Natur- und Vogelschutzverein Reigoldswil-Lauwil und dem Wieselnetz.

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Grauspecht
Neuntöter