Lange Zeit stiegen die Fischfangerträge und die Bestände des Kormorans parallel an. Doch in den letzten Jahren wuchsen nur noch die Kormoranzahlen. Mancherorts fangen Kormorane inzwischen ähnlich viel Fisch wie Berufsfischer. Ist also der Kormoran Schuld am Zusammenbruch der Fischfangerträge? Der Zusammenhang zwischen Fischfangertrag und Kormoranbestand ist wesentlich komplexer. Ein über Jahre steigender Bestand an fischfressenden Vögeln bedeutet, dass ausreichend Nahrung vorhanden sein muss. Der scheinbare Widerspruch zu stark gesunkenen Fischfangerträgen ist mit methodischen Schwierigkeiten zu begründen. Selbst mit grösstem Aufwand kann der tatsächliche Fischbestand nur ungenau erfasst werden. Meist wird der Fangertrag der Berufsfischer als Mass für den Fischbestand verwendet. Doch dieser wird z.B. vom Befischungsaufwand, den Mindestfanggrössen, aber auch von den Vorlieben für wenige, wirtschaftlich relevante Fischarten beeinflusst. Über die Bestände wirtschaftlich wenig interessanter Fischarten sowie von Jung- und Kleinfischen, die unterhalb des Fangmasses liegen, sind anhand des Fischereiertrags keine Aussagen möglich. Kormorane nutzen jedoch genau diese Fische in hohem Masse. Eine Zunahme fischfressender Vögeln bei gleichzeitig rückläufigem Fangertrag ist somit noch kein Nachweis eines Schadens oder einer Gefährdung der Fischbestände durch die Vögel.
Kormorane bevorzugen Fische zwischen 10 und 15 cm Länge, ausnahmsweise können sie bis um 40 cm gross sein. Genutzt werden vor allem jene Fische, die am einfachsten und häufigsten verfügbar sind. Das können auf Laichgründen aber auch seltene Fischarten sein. Der tägliche Nahrungsbedarf eines einzelnen Kormorans hängt von seiner Grösse, sowie seinem Geschlecht und Alter ab, aber auch vom Nährwert der Beutefische. Bei kalten Luft- und Wassertemperaturen sowie Störungen, welche die Kormorane zur Flucht zwingen, steigt der Appetit. Im Schnitt benötigt ein Kormoran täglich etwa 300 bis 500 g Fisch. Dabei führen die täglichen Jagdflüge bis in Distanzen von 100 km.