Spätestens seit der Finanzkrise vor 15 Jahren gehört die Redewendung «too big to fail» genauso wie «Systemrelevanz» zum festen Inventar unserer gesellschaftlichen Debatten, beschränkt sich dabei aber fast ausschliesslich auf Banken. Im Zusammenhang mit Naturthemen klingt es anders – noch. «Wäre die Natur eine Bank, hätte man sie schon längst gerettet». Diese oft zitierte und hier leicht abgewandelte Einschätzung fasst in einem Satz zusammen, dass es nicht nur global, sondern auch hierzulande beim Schutz der Vögel, der Insekten, der Hochmoore – kurz, der Natur – viel zu zögerlich vorwärts geht. Schlimmer noch: Dass bereits durch Schutz erreichte Erfolge durch nicht enkeltaugliche Entscheidungen wieder in Gefahr geraten.
Besonders deutlich geworden ist die Misere auch bei der parlamentarischen Beratung der Biodiversitätsinitiative. Da wurde Biodiversität als «Modewort» abgetan, dem Schutz der Biodiversität «hafte etwas Egoistisches an». Die billigende Belastung und Zerstörung von intakten Lebensräumen und die damit verbundene Gefährdung verschiedenster Arten ist aber keine Bagatelle.
Innert Tagen standen 259 Milliarden Franken für die Rettung einer selbstverschuldet in Schieflage geratenen Grossbank zur Verfügung. Von so grosszügigen Zuwendungen kann der Naturschutz nur träumen. Müssten wir die Leistungen der Ökosysteme aber selbst bezahlen, die wir tagtäglich frei Haus von der Natur geliefert bekommen, entstünden massive Mehrkosten für unsere Gesellschaft. Beim Schutz der Biodiversität geht es letztlich auch um unsere Lebengrundlagen. Nur gesunde Ökosysteme garantieren uns fruchtbare Böden, sauberes Trinkwasser, reine Luft und damit unsere Gesundheit. Diese Erkenntnis scheint sich aber in vielen Köpfen noch nicht durchgesetzt zu haben.
Wenn Kritiker eines besseren Schutzes von Biodiversität, Natur und Vogelwelt von «schwerwiegenden Folgen» für bestimmte Wirtschaftszweige sprechen, verkennen sie die Systemrelevanz der Natur. Sie sollte für uns als «too big to fail» behandelt werden. Das Auf und Ab der Vogelbestände zu dokumentieren und zu erklären, ist eine wichtige Aufgabe der Vogelwarte. Üblicherweise werden sie mit Niederschlagsmengen, Sonnenstunden, Anzahl an Bäumen oder Hecken, Abstand zu Strassen und andere Faktoren erklärt. Den grössten Einfluss hat aber Bundesbern.