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© Sabine Dähler

Ein Mann der Tat: Peter Knaus sitzt nicht nur hinter dem Schreibtisch, sondern setzt sich auch draussen konkret für die Natur ein.

News - Hintergrund

Ein Umtriebiger zieht weiter

Dezember 2025

Peter Knaus hat die Vogelwarte während 25 Jahren geprägt und in dieser Zeit mehrere ornithologische Standardwerke verfasst und zuletzt auch in der Institutsleitung mitgearbeitet. Nun hat er sich eine neue Herausforderung gesucht.

«Bei der Suche von Arten für den neuen Brutvogelatlas wanderte ich am 15. April 1996 durch einen subalpinen Nadelwald am Nordhang des Schanfigg (Kanton Graubünden). Es herrschte sonniges und für die Jahreszeit relativ warmes Wetter, der Schnee war auch am Nordhang zu einem beträchtlichen Teil geschmolzen. Um 12:20 Uhr waren plötzlich andauernde Trommelwirbel und Rufreihen zu hören. Diese schrieb ich zuerst einem Dreizehenspecht Picoides tridactylus zu. Schliesslich entdeckte ich aber zu meiner Überraschung, dass es sich um einen männlichen Weissrückenspecht Dendrocopos leucotos handelte.»

Grosse Werke

Mit dieser Beobachtung macht ein ornithologisch begeisterter Mittzwanziger zum ersten Mal mit einem Artikel im Ornithologischen Beobachter auf sich aufmerksam. Es handelt sich um den Erstnachweis des Weissrückenspechts in der Schweiz, erbracht von Peter Knaus. Seither folgten über 40 weitere Beiträge im Ornithologischen Beobachter, für den er zudem von 2000–2022 als Redaktor arbeitete. Doch er beliess es nicht bei einzelnen Artikeln: Seit dem Jahr 2000 arbeitete Peter Knaus an der Schweizerischen Vogelwarte und hat in dieser Zeit einige im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige ornithologische Standardwerke mitverfasst oder geleitet: Er war Koautor von «Die Vögel der Schweiz» (2007) sowie Erstautor von «Historischer Brutvogelatlas» (2011), «Schweizer Brutvogelatlas 2013–2016» (2018) und der «Roten Liste der Brutvögel » (2022).

Der quirlige St. Galler steckt voller Tatendrang und hat insbesondere mit dem Schweizer Brutvogelatlas 2013– 2016 ein Grossprojekt von nationaler und internationaler Strahlkraft geführt. Er hat es mit seiner mitreissenden Art und Mehrsprachigkeit geschafft, landesweit die Ornithologinnen und 12 WÜRDIGUNG Ornithologen für dieses nationale Projekt zu begeistern. Unter der Führung von Peter Knaus hat der Brutvogelatlas 2013-2016 grosse Neuerungen für die Schweizer Ornithologie hervorgebraucht: Beispielsweise sah die Schweiz zum ersten Mal modellierte Karten mit den Veränderungen des Brutbestands unserer Brutvögel.

Ein Herz für die Natur

Peter Knaus ist ein Teamplayer. Er hatte die Weitsicht zu erkennen, dass der Brutvogelatlas 2013–2016 nicht das Ende sein darf, sondern dass es darauf ankommt, die gewonnenen Erkenntnisse auch umzusetzen. Daraus entstand der 11-Punkte-Plan, der den Handlungsbedarf zur Verbesserung der Situation der Vogelwelt in der Schweiz aufzeigt. So überrascht es nicht, dass er nach seiner langjährigen Tätigkeit als Leiter des damaligen Fachbereichs «Lagebeurteilung» im Jahr 2022 als engagiertes und äusserst verlässliches Mitglied der Institutsleitung den neuen Bereich «Förderung » aufbaute. Dazu gehörte die Besetzung der neuen Ressorts für die Hauptlebensräume der Schweiz, der Aufbau der Regionalstellen und die Weiterentwicklung des Rahmenprogramms für den internationalen Vogelschutz.

Der Naturschutz liegt Peter Knaus sehr am Herzen, wovon auch seine privaten Engagements als Präsident von WWF Zürich von 2001–2013 und als Präsident von BirdLife Luzern von 2014–2023 zeugen. Per Ende 2025 verlässt Peter Knaus die Vogelwarte, um sich als Geschäftsführer von Pro Natura Luzern in seinem Wohnkanton weiter für die Natur einzusetzen. Er wird dies mit der für ihn typischen grossen Schaffenskraft, Motivation und Energie tun, auch wenn er immer wieder «pole pole» zu sagen pflegt. Das ist Swahili und bedeutet so viel wie «Immer mit der Ruhe».

Nachfolge im Bereich «Förderung»

Die Nachfolge von Peter Knaus treten zwei Personen an: Stephanie Michler und Hubert Schürmann. Stephanie Michler ist promovierte Biologin und arbeitet seit 2011 an der Vogelwarte, in den letzten vier Jahren als Leiterin des Ressorts «Artenförderung».

Hubert Schürmann ist Landwirt und Wirtschaftsingenieur und leitet seit 2022 das Ressort «Kulturland» an der Schweizerischen Vogelwarte. Er führt zudem seit 19 Jahren einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau in der Gemeinde Neuenkirch.