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Schwarzspecht © Marcel Burkhardt
Spechte

Alle kennen «den Specht»

Schon Charles Darwin erwähnte in der Einleitung seines 1859 veröffentlichten Buchs «Über die Entstehung der Arten» die Spechte als erstes Beispiel, um den evolutionären Ursprung von Anpassungen einzuführen. Spechte faszinieren nicht nur wegen ihrer Erscheinung und ihres Verhaltens. Sie sind aufgrund ihrer oft speziellen Bedürfnisse ausgezeichnete Zeiger für den ökologischen Zustand eines Waldes. Studien belegen: Je mehr Spechtarten in einem Wald leben, umso höher ist die Vielfalt von Vögeln und anderen Organismen.

Anatomie

Leben in der Vertikalen

Spechte haben sich perfekt an das Leben in der Vertikalen angepasst. Spechte bewegen sich «ruckartig hüpfend» fort und verlassen sich dabei auf kräftige Zehen und Krallen sowie auf den Stützschwanz, der als «drittes Bein» dient und bei allen einheimischen Spechtarten ausser dem Wendehals vorkommt. Die X-förmige Zehenanordnung der Spechte ist auffällig. Eine weitere Besonderheit ist die Zunge. Sie ist im Vergleich zu anderen Vogelgruppen sehr lang. Mit ihr erbeuten Spechte Nahrungstiere im Holz oder in Ameisennestern.

Kommunikation

Trommeln, Singen und Rufen

Hier haben wir die typischen Trommelwirbel und Gesänge der heimischen Spechte zusammengestellt.

  • Buntspecht Rufe
    © Jerome Fischer
  • Buntspecht Trommeln
    © Dries Van de Loock
  • Dreizehenspecht Rufe
    © Jarek Matusiak
  • Dreizehenspecht Trommeln
    © Jerome Fischer
  • Grauspecht Gesang
    © R. Martin
  • Grauspecht Trommeln
    © Romuald Mikusek
  • Grünspecht Gesang
    © Peter Boesman
  • Grünspecht Trommeln
    © Sonnenburg
  • Kleinspecht Rufe
    © julien Rochefort
  • Kleinspecht Trommeln
    © Jerome Fischer
  • Mittelspecht Gesang
    © Jack Berteau
  • Mittelspecht Kix
    © brickegickel
  • Mittelspecht Trommeln
    © Barbara Froehlich-Schmitt
  • Schwarzspecht Gesang
    © Timo Schnabel
  • Schwarzspecht Sitzruf
    © Sonnenburg
  • Schwarzspecht Flugruf
    © Jerome Fischer
  • Schwarzspecht Trommeln
    © Jerome Fischer
  • Weissrückenspecht Rufe
    © Gerard Gorman
  • Weissrückenspecht Trommeln
    © Romuald Mikusek
  • Wendehals Rufe
    © Lars Edenius

Wie sag ich's den Anderen?

Spechte kommunizieren auf vielfältige Weise miteinander. Am bekanntesten sind die wiederholten Trommelwirbel – sie sind ein untrügliches Zeichen, dass der Frühling bevorsteht. Das Trommeln ist artspezifisch und dient der Markierung der Reviere sowie der Verständigung zwischen den Paarpartnern, hängt aber nicht mit der Nahrungssuche zusammen. Ausser mit Trommeln und Klopfen kommunizieren Spechte wie andere Vogelarten auch durch stimmliche Laute. Diese stimmlichen Laute sind artspezifisch und umfassen die zur Brutzeit geäusserten Gesänge wie etwa das «Lachen» des Grünspechts oder das «Quäken» des Mittelspechts sowie verschiedene ganzjährig hörbare Rufreihen und Einzelrufe.

Ernährung

Angezapft

Diese Filmsequenz zeigt das «Ringeln» eines Baumstamms durch einen Buntspecht. Der Baumsaft schmeckt auch anderen Vögeln und Insekten.

Ameisen zum Hauptgang

Spechte ernähren sich von tierischer und gelegentlich pflanzlicher Kost. Mit dem meisselförmigen Schnabel und der langen klebrigen Zunge stehen ihnen vielfältige Nahrungsquellen offen. Mindestens 60 Prozent aller Spechtarten weltweit fressen oder verfüttern Ameisen, deren Puppen oder Eier. Ameisen sind deshalb allgemein eine wichtige Komponente der Spechtnahrung, nicht nur für Ameisenspezialisten wie Grünspecht, Grauspecht, Schwarzspecht und Wendehals. Darüber hinaus ernähren sich Spechte hauptsächlich von weiteren Insekten und deren Larven, von anderen Gliederfüssern wie etwa Spinnen und gelegentlich auch von pflanzlichen Produkten wie Samen, Nüssen, Früchten und Baumsaft.

Spechtarten

In Europa kommen elf Arten vor, nur der Blutspecht und der Iberiengrünspecht brüten nicht in der Schweiz.

Unsere heimischen Spechte

Bruthöhlen

Zimmerleute von Beruf

Nur der Wendehals benötigt bereits existierende Höhlen zur Aufzucht der Jungen. Alle anderen Spechtarten bauen entweder jährlich eine neue Bruthöhle oder nutzen eine bestehende Höhle, die sie selbst oder ein anderer Specht gezimmert haben. Beim Bau der Bruthöhle wird versucht, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Oft befinden sich Bruthöhlen in toten oder absterbenden Stämmen und Ästen, regelmässig in der Nähe von grossen Pilzkonsolen oder unter Astabbrüchen – untrügliche Zeichen für das Vorhandensein von «Weichholz».

Ratgeber

Wenn der Specht auf den Putz haut …

Gelegentlich schlagen Spechte Löcher an unerwünschten
Orten: Hausfassaden. Dabei handelt es sich meist um
junge Buntspechte, die ab Sommer auf der Suche nach
einem eigenen Revier umherstreifen. Besonders beliebt
sind Fassaden mit grobem Aussenputz und guter Wärmedämmung.

Zum Ratgeber

Lebensraum

Ökosystem-Ingenieure

Indem Spechte Höhlen bauen und Bäume für die Nahrungssuche bearbeiten, wirken sie aktiv auf ihre Lebensräume ein. Zu Recht werden sie deshalb als Ökosystem-Ingenieure bezeichnet. Die durch Spechte entstehenden Strukturen dienen unzähligen anderen Organismen, seien es Nachmieter in Spechthöhlen, Nahrungsgäste an den durch Ringeln hervorgerufenen «Saftlöchern» oder an den aufgehackten Stellen im Holz, die nun Insekten zugänglich sind. Die Bedeutung von Spechthöhlen für Folgenutzer hängt einerseits von ihrem Erbauer ab. Grosse Höhlen wie jene des Schwarzspechts sind besonders begehrt, denn sie wirken dem Mangel an natürlichen Grosshöhlen in bewirtschafteten Wäldern entgegen.

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