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© Simon Czendlik

Die erste Aufwertung wurde im Winterhalbjahr ausgeführt. Dieses Bild zeigt den ausgelichteten Waldrand im ersten Herbst danach. Schnell überzog die Krautvegetation den neu gut besonnten Boden.

News - Hintergrund

Ein Wald-Weide-Mosaik für die Biodiversität

Dezember 2022

Eins plus eins ergibt drei! Stossen zwei verschiedene Lebensräume aneinander, etwa ein Wald und eine Wiese, dann entsteht im Übergang ein dritter. Ein solches Lebensraummosaik wird mit Unterstützung der Vogelwarte im Oberbaselbiet geschaffen.

Die Rehhagweid befindet sich an einem südexponierten Hang auf knapp 1 000 m ü. M im «Belchen- Passwang-Gebiet» im Oberbaselbiet und ist Teil des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler. Aus Sicht des Naturschutzes ist das Gebiet eine der wertvollsten Landschaftskammern im Kanton Basel- Landschaft. Teilflächen der Rehhagweid sind im Inventar der Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung, im kantonalen Reptilien- oder Tagfalterinventar, oder als kommunale Naturschutzzone ausgewiesen. Doch die Unterschutzstellung allein sichert die Qualität des Lebensraums noch nicht, es braucht auch eine biodiversitätsfreundliche Nutzung. Wenn diese auch auf angrenzende Gebiete ausgeweitet wird, entsteht Lebensraum für viele Arten.

Aus einer Zusammenarbeit von Forst (Forstbetrieb Frenkentäler), Landwirtschaft (Grundbesitzer und Bewirtschafter) und Naturschutz (Pro Natura Baselland, Arbeitsgruppe Tagfalterschutz) entstand die Idee zu diesem Wald- Weide-Mosaik. Mit diesem Projekt soll dieses wertvolle Gebiet ökologisch aufgewertet werden.

In der Rehhagweid kommen auch seltene und auf Förderung angewiesene Vogelarten wie Grauspecht, Heidelerche, Baumpieper, Gartenrotschwanz und Gartengrasmücke vor. Als auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für das Projekt die Vogelwarte kontaktiert wurde, wurde das Vorhaben mit Fördermassnahmen für die oben genannten ornithologischen Zielarten ergänzt und die finanzielle Unterstützung durch die Vogelwarte zugesichert.

Der Fokus des Projekts liegt auf der Förderung von Tier- und Pflanzenarten, die besonders auf eine starke Verzahnung von Wald und Offenland angewiesen sind. Mit dem Projekt wird ein Mosaik aus blumenreichen Weiden, Magerrasen, buchtigen Waldrändern mit Saumvegetation, lichten Waldflächen, Einzelbäumen, Obstgärten, Hecken und Kleinstrukturen geschaffen. Durch die bessere Verzahnung des Weidelands mit dem Waldareal sollen die hier noch vorhandenen, schweizweit gefährdeten Lebensräume mit den dazu gehörenden Arten erhalten und gefördert werden.

Konkret werden Waldrandaufwertungen, teilweise bis 20 m in den Waldbestand hinein, durchgeführt, einzelne Weidbäume freigestellt, halbschattige Buchten mit Staudenfluren geschaffen und Kleinstrukturen angelegt. Es werden Magerrasen und Krautsäumen in grösseren, sehr offenen Buchten gefördert und wechselfeuchte Tümpel als Lebensraum für Amphibien und Insekten gebaut. Zudem werden lichte, struktur- und totholzreiche Waldinseln und Feldgehölze im Landwirtschaftsland geschaffen.

Der Forstbetrieb Frenkentäler verpflichtet sich langfristig für die Pflege im Rhythmus von drei bis fünf Jahren, um das geschaffene Lebensraummosaik zu erhalten. Die offenen Flächen werden vom beteiligten Landwirt als extensive Weide genutzt. Eine Erfolgskontrolle begleitet das Projekt und steuert die Pflege- und Nutzungsmassnahmen.

Projekte

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Grauspecht
Heidelerche
Baumpieper
Gartenrotschwanz
Gartengrasmücke