Seit 10 Jahren untersucht die Vogelwarte zusammen mit der Universität Zürich und der Berner Fachhochschule HAFL die Ökologie des Weissrückenspechts in unterschiedlich intensiv genutzten Wäldern. Unsere Studien bestätigen, dass der Weissrückenspecht während der Brutzeit bevorzugt totholzreiche, alte Laub- und Mischwälder nutzt.
Er besiedelt potenzielle Bruthabitate aber nur, wenn grosse Flächen alten Mischwalds vorhanden sind. Das zeigt, dass Lebensraumaufwertungen aus Weissrückenspecht-Perspektive nur in Gebieten mit hohem Waldanteil sinnvoll sind. Ausserhalb der Brutzeit ist der Weissrückenspecht weniger an alte Mischwälder gebunden, sucht aber auch dann gezielt Totholz zur Nahrungssuche auf. Genügend Totholz ist also die Voraussetzung, dass er auch intensiver bewirtschaftete Bestände nutzen kann.
Durch seine Lebensraumansprüche gilt der Weissrückenspecht als Schirmart für viele andere Organismen, die von alten Wäldern abhängig sind, z.B. bedrohte Totholzkäfer. Dies hat eine kürzlich erschienene Studie der HAFL und der Vogelwarte bestätigt. Er ist daher ein guter Ansporn, um Wälder mit viel Totholz zu fördern, nicht zuletzt auch im Wirtschaftswald. Davon profitieren auch viele weitere Arten.
Die Resultate zur Raumnutzung stammen aus der Dissertation von Antonia Ettwein, die sie an der Universität Zürich und der Vogelwarte durchgeführt hat. Für ihre anwendungsorientierte Forschung hat sie nun den Hintermann & Weber-Forschungspreis für Naturschutz 2024 erhalten. Wir gratulieren herzlich!