Der Kanton Graubünden ist beliebt bei Gleitschirmpilotinnen und -piloten. Gleichzeitig brüten hier zahlreiche Wanderfalken, Bartgeier und Uhus, und der Kanton ist Heimat eines Drittels der Alpenpopulation des Steinadlers. Diese Arten reagieren sehr sensibel auf Störungen zur Brutzeit, etwa durch Gleitschirmfliegende in Horstnähe. Fällt eine Brut aus, droht die Population langfristig zu schrumpfen. Dies ist eine grosse Verantwortung für lokale Behörden, Naturschützer und Outdoor-Sportlerinnen.
Um Konflikte zu reduzieren, haben der Schweizerische Hängegleiter- Verband (SHV), das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden (AJF) und die Regionalstelle Graubünden der Vogelwarte gemeinsam ein Pilotprojekt gestartet. Dazu haben sie potenziell gefährdete Horstplätze identifiziert und die Dichte von Gleitschirm-Flugtracks oder die Zonen mit Aufwinden berücksichtigt, die von Pilotinnen und Piloten genutzt werden. So haben sie insgesamt 26 potenzielle «Horst-Gleitschirm-Konfliktzonen» identifiziert. Folgendes wurde vereinbart: Sobald Bartgeier, Steinadler, Wanderfalken oder Uhus in einer dieser Konfliktzonen brüten, aktiviert der SHV einen virtuellen Zylinder rund um den Brutstandort und publiziert ihn auf seinen Kanälen, damit Pilotinnen und Piloten diese Zone für den Rest der Brutsaison meiden können.
Am 26. März 2024 war es dann so weit: Ein Wildhüter meldete der Regionalstelle der Vogelwarte Brutaktivitäten eines Steinadlers in einer Konfliktzone. Nachdem klar war, wie weit die Brutaktivitäten fortgeschritten waren, wurde auch Alexandra Schuler, die Umweltbeauftragte des SHV, eingeschaltet. Sie klärte mit den lokalen Clubs und Sportligen letzte Fragen und Anliegen. Nur sieben Tage später wurde der erste Perimeter als Vogelschutzzone auf den SHV-Kanälen – von der digitalen Luftraumkarte bis zu Clubchats – publiziert. Gleitschirmfliegende konnten diese Zone nun bei der Flugplanung berücksichtigen. Bis zum Ende der Brutsaison wurden noch drei weitere Zonen aktiviert.