In den Oberengadiner Gemeinden Bever und La Punt werden Projekte zur Revitalisierung der Flüsse Beverin und Inn durchgeführt, die in vielen Aspekten beispielhaft und schweizweit in ihrer Grösse einzigartig sind. Seit 2012 wurden gut zwei Flusskilometer revitalisiert. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Revitalisierung von weiteren zwei Fusskilometern entlang des Inns. Finanziell getragen wird dies grösstenteils vom Bund, dem Kanton Graubünden, Pro Natura Schweiz, dem Fonds Landschaft Schweiz, dem naturmade star-Fond des EWZ und der Ernst Göhner Stiftung. Die Vogelwarte beteiligt sich seit 2008 an diesen Projekten und dokumentiert seither die Entwicklung der Vogelwelt. In den letzten beiden Jahren führte die Vogelwarte zudem ein Besuchermonitoring durch und untersuchte die Wirksamkeit der Besucherlenkung. In der Begleitgruppe des Projekts leistet die Vogelwarte zudem fachliche Unterstützung zugunsten der Vogelwelt.
Seit 2021 ist ein Besucherlenkungskonzept in Kraft, das eine Kombination von Information, Sensibilisierung, physischer Lenkung, Geboten und Verboten anwendet. Die Besucher werden an strategisch wichtigen Orten mit Tafeln informiert und zu verschiedenen Themen sensibilisiert. Zusätzliche Informationen werden über eine Internetseite sowie mit Broschüren zur Verfügung gestellt und verbreitet. Exkursionen, ein für Kinder entwickelter Forschungsrucksack und weitere Aktivitäten ergänzen dieses Angebot. Das Wegnetz wurde für Fussgänger, Velofahrende sowie Reitende bestmöglich entflechtet und entsprechend signalisiert. Zur Wegleitung wurden natürliche Hindernisse und Absperrungen eingesetzt, um sensible Bereiche abzutrennen und besser vor Zutritt zu schützen. An gewissen Wasserstellen ist der Zugang für Spiel oder Picknick hingegen explizit erwünscht und entsprechend ausgeschildert. Nicht zuletzt werden die Besuchenden während der Brutzeit des Flussuferläufers (Mitte April bis Ende Juli) gebeten, sensible Bereiche wie Kiesinseln nicht zu betreten. Auf bestimmten Wegen gelten ein Leinengebot für Hunde sowie Fahr- und Reitverbote. Die Ergebnisse des Besuchermonitorings der Vogelwarte zeigen die Attraktivität des Gebiets für die Besucher und die Notwendigkeit der Besucherlenkung auf: Durchschnittlich sind im Gebiet über 100 Personen pro Tag und an schönen Ferientagen weit über 200 Personen unterwegs! Erfreulich stimmt aber, dass über 95 % aller Besuchenden die vorgegebenen Wege und Wasserstellen benutzen und damit belegen, dass die Massnahmen überwiegend wirksam sind.