Sobald Rotmilane unabhängig werden, schweifen sie weit umher und nutzen auch Gebiete mitten in Städten oder in den Bergen über der Waldgrenze. In dieser Zeit können Erfahrungen aus diesen Erkundungsphasen die Wahl des Lebensraums beeinflussen, auch wenn sie nach frühestens drei Jahren einen Platz zum Brüten suchen.
Wir Menschen bevorzugen oft eine Umgebung, die uns vertraut ist, und in der wir als Kinder positive Erfahrungen gemacht haben. In ähnlicher Weise neigen Rotmilane dazu, Lebensräume zu bevorzugen, die der Umgebung am Schlupfort ähnlich sind. Dies allerdings nur, wenn diese Lebensräume eine hohe Qualität aufweisen. So nutzten Rotmilane, die in Ackerbaugebieten im Flachland aufgewachsen waren, auch während ihrer Jugendzeit genau solche Lebensräume und siedelten sich auch dort an. Umgekehrt jedoch mieden Rotmilane aus hochgelegenen Lebensräumen, die von geringerer Qualität sind, eher ihre ursprünglichen Lebensräume und siedelten sich in tiefergelegenen von Wald oder Ackerland dominierten Orten an.
Interessanterweise zeigten Rotmilane, die in städtischen Gebieten geschlüpft waren, auch eine Vorliebe für städtische Lebensräume, obwohl brütende Vögel diese sonst eher meiden. Die Präferenz zur Ansiedlung für gewisse Lebensräume scheint also bereits durch die Gegebenheiten am Schlupfort vorgeprägt zu werden und wird durch Erkundungsflüge weiter verfeinert.