Schon Wilhelm Busch hat mit seinem „Hans Huckebein“ gezeigt, wie viel Chaos ein Rabenvogel anrichten kann. Boshaft sind Krähen aber nicht – neugierig, verspielt und clever dagegen sehr wohl. Genau das macht sie so spannend und manchmal auch so umstritten. Im September ist die Rabenkrähe unser Vogel des Monats.
Heute stehen Rabenvögel im Fokus der Forschung. Ihr Sozialleben, ihre Intelligenz und ihre Treue faszinieren Wissenschaftler und Laien gleichermassen. Krähen können Werkzeuge nutzen, Gesichter wiedererkennen und sogar Futtervorräte nach Grösse sortieren. Der Zoologe Josef H. Reichholf beobachtete etwa, wie Krähen Nüsse versteckten – und Monate später punktgenau wiederfanden, selbst wenn Schnee lag. Dabei griffen sie zuerst zu den kleineren Nüssen und liessen sich die grössten für die energieintensive Brutzeit im Frühling auf.
Rabenkrähen leben entweder als Brutpaare in festen Revieren oder in grossen Schwärmen von „Nichtbrütern“. Letztere sind ständig unterwegs, sorgen aber auch dafür, dass frei werdende Reviere sofort wieder besetzt sind. Manchmal kommt es dabei zu handfesten Auseinandersetzungen.
Auch wenn die Rabenkrähe nicht überall beliebt ist – schwarz, laut und manchmal lästig –, zeigt sie doch, wie anpassungsfähig und klug Vögel sein können. Mit natürlichen Feinden wie Uhu, Habicht oder Steinadler hält die Natur das Gleichgewicht. Und wer genauer hinsieht, entdeckt hinter dem düsteren Gefieder eine überraschend faszinierende Persönlichkeit.