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Matthias Kestenholz machte die Arbeit der Vogelwarte bis in die höchsten politischen Kreise bekannt. Zum 100-Jahr- Jubiläum 2024 beehrte Bundespräsidentin Viola Amherd die Vogelwarte.

News - Hintergrund

Ein Vogelbegeisterter tritt kürzer

August 2025

Über ein Vierteljahrhundert lang prägte Matthias Kestenholz die Öffentlichkeitsarbeit der Vogelwarte. In diese Zeit fällt auch der wirtschaftliche Aufschwung der Stiftung. Nun übergibt er seine Aufgaben und tritt beruflich kürzer.

Seine Laufbahn begann 1995, als die Vogelwarte den frisch promovierten Biologen für die Radargruppe engagierte. Bereits zuvor hatte Matthias Kestenholz dort bei der Erforschung des Vogelzugs über das Mittelmeer mitgewirkt. Bald wandte er sich neuen Aufgaben zu: Mit seiner langjährigen Erfahrung als Beringer auf der Ulmethöchi wurde er im Jahr 2000 Leiter der nationalen Beringungszentrale und übernahm 2005 das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden von EURING. Die von ihm verfasste Broschüre «Bird Ringing for Science and Conservation» ist bis heute ein zentrales Kommunikationsmittel in der wissenschaftlichen Vogelberingung.

Seine wissenschaftliche Tätigkeit ergänzte Matthias Kestenholz mit der Erarbeitung von Grundlagen für den Vogelschutz: Er verfasste das Inventar der Wasservogelgebiete von nationaler Bedeutung (1995) und war Mitautor der nationalen Aktionspläne für Weissstorch (2010) und Steinkauz (2016). Privat engagierte sich Matthias Kestenholz im Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverband (BNV), den er 1996–2005 präsidierte. Zuvor war er während fünf Jahren Co-Projektleiter des ornithologischen Inventars beider Basel und als solcher auch Co-Autor des Werks «Die Brutvögel beider Basel». 2012 erschien sein Buch «Vogelzug hautnah – 50 Jahre Zugvogelbeobachtungen auf der Ulmethöchi im Baselbieter Jura».

Mit seinem kommunikativen Talent und unterstützt durch ein berufsbegleitendes Nachdiplomstudium in betriebswirtschaftlichem Management übernahm Matthias Kestenholz auch schon früh in seiner Laufbahn Aufgaben im Marketing. Die erworbenen Kompetenzen kamen besonders während der Vogelgrippe-Phase 2005–2006 zum Tragen, als er die Vogelwarte kommunikativ sicher durch die turbulente Zeit führte.

2008 wurde er zum Marketingleiter ernannt und war fortan verantwortlich für die Kommunikation und die Mittelbeschaffung der gemeinnützigen Stiftung. Mit einem kleinen Team begann er, die Öffentlichkeitsarbeit systematisch zu professionalisieren. Er baute die Umweltbildung aus und etablierte die zielgerichtete Kommunikation und den Austausch mit für den Vogelschutz wichtigen Partnern. Unter seiner langjährigen Führung konnte die Vogelwarte ihre Einnahmen markant steigern. Dadurch wurde ein Ausbau der heutigen Bereiche Forschung und Förderung und der Ein Vogelbegeisterter tritt kürzer Über ein Vierteljahrhundert lang prägte Matthias Kestenholz die Öffentlichkeitsarbeit der Vogelwarte. In diese Zeit fällt auch der wirtschaftliche Aufschwung der Stiftung. Nun übergibt er seine Aufgaben und tritt beruflich kürzer. 10 3 WÜRDIGUNG Bau des neuen Bürogebäudes und des Besuchszentrums möglich.

Nach langjährigem Einsitz in der Institutsleitung der Vogelwarte übernahm Matthias Kestenholz 2020 deren Vorsitz. In dieser Rolle initiierte und leitete er von 2020–2022 die Organisationsentwicklung des Instituts und danach die Planung und Durchführung des 100-Jahr-Jubiläums.

Seine Begeisterung für Vögel steckte viele an – innerhalb wie ausserhalb der Vogelwarte. Er verfasste das Themenheft «Zum Kuckuck» (2018) und lancierte die Minibroschüren-Reihe, die mit einfacher Sprache einem grossen Publikum Vogelwissen vermittelt. Die Idee dazu entstand im Rahmen einer Messe-Ausstellung mit den Partnern IP-Suisse, Schweizer Bauernverband und Migros.

Sein Wirken war geprägt von Optimismus, Kreativität und Courage. Mit seiner Energie und kollegialen Art motivierte er sein Team immer wieder aufs Neue, und es dankte ihm mit breiter Unterstützung bei der Umsetzung seiner Ideen. Seit Mitte 2025 ist Matthias Kestenholz auf eigenen Wunsch nicht mehr in der Institutsleitung und unterstützt bis zu seiner Pensionierung das Ressort Fundraising mit seiner Erfahrung im Gönnerkontakt.

Die Belegschaft und der Stiftungsrat sprechen Matthias Kestenholz bereits heute für 30 Jahre stetigen und unermüdlichen Einsatz einen grossen Dank aus. Sein Engagement ermöglichte es unzähligen jungen Vogelbegeisterten, sich für die Erforschung und Förderung der heimischen Vogelwelt einzusetzen.