In der dicht besiedelten Schweiz sind Feuer relativ selten und treten hauptsächlich im Wallis, Tessin und Graubünden auf. Wie der Waldbrand von Leuk eindrücklich demonstriert, können Brände trotz ihrer Gefahr positive Effekte auf die Natur haben. Der Naturschutz muss sich die Frage stellen, ob man Feuer als kontrollierte und lokale Naturschutzmassnahme einsetzen soll. Dabei muss beachtet werden, dass es in der Schweiz kaum Orte gibt, die nicht vom Menschen besiedelt oder in irgendeiner Weise genutzt werden. Zudem dienen viele Wälder als Schutzwälder für Dörfer, Strassen und andere menschliche Strukturen, so wie auch 20 % der abgebrannten Waldfläche bei Leuk. Hier sind nun aufwändige Aufforstungen notwendig, damit die Schutzfunktion des Waldes wieder gewährleistet wird. Feuer können zwar äusserst positive Effekte haben, in Gebieten, in denen natürlicherweise kaum Feuer auftreten, sind aber auch negative Effekte möglich. So fördern Brände in tropischen Regenwäldern meist die häufigen Generalisten oder sogar gebietsfremde, invasive Arten. Auch die Exposition kann eine Rolle spielen. Der Waldbrand, der 2010 in Visp rund 100 Hektaren Wald zerstörte, führte zumindest bei den Vögeln nicht zur gleichen Artenvielfalt wie in Leuk. Es fehlen beispielsweise Steinrötel und Steinhuhn komplett, Zippammer, Baumpieper und Gartenrotschwanz erreichen nicht gleich hohe Siedlungsdichten wie in Leuk. Leuk ist ein Südhang, der für wärmeliebende Arten attraktiv ist, während Visp als Nordhang wohl weniger geeignet ist. Zu diesen Faktoren kommt erschwerend die Machbarkeit hinzu. Wie kann man einen Wald kontrolliert abbrennen und sicherstellen, dass der Brand nicht ausser Kontrolle gerät? Die durch den Waldbrand geförderten Strukturen stehen nur für eine relativ kurze Zeit zur Verfügung, da nach einigen Jahren durch natürliche Sukzession die Generalisten wieder das Zepter übernehmen und die konkurrenzschwachen Arten verdrängen.
Dies sind alles Argumente, die den Einbezug von Feuer in die Naturschutzgesetzgebung und –praxis sehr schwierig gestalten. Gerade solche Forschungsresultate wie in Leuk können aber helfen, eine Diskussion über Feuer als Naturschutzmassnahme zu führen. Vielleicht wird es einmal möglich sein, die Sicherheit und menschliche Interessen zu wahren und gleichzeitig das grosse Naturschutzpotenzial nutzen, das Feuer liefern kann. Die Gartenrotschwänze können ein Lied davon singen.