1998 erschien der zweite Brutvogelatlas der Schweiz. Darin zeigte eine Übersichtskarte der gefährdeten Arten die Wichtigkeit des Wallis und gab den entscheidenden Anstoss für die dortige Eröffnung der ersten Regionalstelle der Vogelwarte. Sie befand sich unter der Leitung von Raphaël Arlettaz zunächst in Salgesch im Naturpark Pfyn-Finges und ist 2012 ins Stadtzentrum von Sion gezogen, näher an die kantonalen Akteure.
Seit Beginn setzt die Regionalstelle langfristige Projekte zur Förderung von Wiedehopf, Zwergohreule, Uhu und Ziegenmelker um. Sie ist dabei stets bestrebt, die Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis umzusetzen, um die Lebensbedingungen der Vögel zu verbessern. Einige Projekte führten zu gross angelegten ökologischen Aufwertungsmassnahmen, sei es in den Wein- und Obstbaugebieten des Zentralwallis oder in den Ackerbaugebieten des Chablais. Dieses Vierteljahrhundert der Regionalstelle Wallis ist daher nicht nur die Geschichte emblematischer Arten, sondern auch die der Entwicklung der Lebensräume, von denen diese abhängig sind.
Beispielhaft dafür ist der Wiedehopf: Studien haben gezeigt, dass die letzten Individuen des Rhonetals an den Hängen brüteten, weil Höhlen im Tal fehlten. Deshalb mussten sie weite Strecken zurücklegen, um ihre Jungen mit Maulwurfsgrillen aus dem Talboden zu füttern. Unter diesen weiten Nahrungsflügen litt aber der Fortpflanzungserfolg. Durch das Aufhängen Hunderter Nistkästen an Hütten in der Ebene profitierten die Wiedehopfe von der Nähe zu ihrer Beute. Dank dieser Massnahme ist der Bestand der wichtigsten Population der Schweiz stark angestiegen.