©
© Bertrand Posse

Die Vielfalt der Walliser Landschaften widerspiegelt die Vielfalt der Vogelwelt: Vom Talboden mit Auenlandschaften, Landwirtschaft und Siedlungsraum über die trockenen Hänge bis hin zu den Alpengipfeln.

News - Hintergrund

25 Jahre Einsatz für die Vögel im Wallis

August 2025

Am 6. April 2000 eröffnete die Vogelwarte ihre erste Regionalstelle im Wallis. Dieses Vierteljahrhundert voller Aktivitäten und Kooperationen unterstreicht die Bedeutung der regionalen Verankerung für Vogelkunde und Vogelschutz.

1998 erschien der zweite Brutvogelatlas der Schweiz. Darin zeigte eine Übersichtskarte der gefährdeten Arten die Wichtigkeit des Wallis und gab den entscheidenden Anstoss für die dortige Eröffnung der ersten Regionalstelle der Vogelwarte. Sie befand sich unter der Leitung von Raphaël Arlettaz zunächst in Salgesch im Naturpark Pfyn-Finges und ist 2012 ins Stadtzentrum von Sion gezogen, näher an die kantonalen Akteure.

Seit Beginn setzt die Regionalstelle langfristige Projekte zur Förderung von Wiedehopf, Zwergohreule, Uhu und Ziegenmelker um. Sie ist dabei stets bestrebt, die Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis umzusetzen, um die Lebensbedingungen der Vögel zu verbessern. Einige Projekte führten zu gross angelegten ökologischen Aufwertungsmassnahmen, sei es in den Wein- und Obstbaugebieten des Zentralwallis oder in den Ackerbaugebieten des Chablais. Dieses Vierteljahrhundert der Regionalstelle Wallis ist daher nicht nur die Geschichte emblematischer Arten, sondern auch die der Entwicklung der Lebensräume, von denen diese abhängig sind.

Beispielhaft dafür ist der Wiedehopf: Studien haben gezeigt, dass die letzten Individuen des Rhonetals an den Hängen brüteten, weil Höhlen im Tal fehlten. Deshalb mussten sie weite Strecken zurücklegen, um ihre Jungen mit Maulwurfsgrillen aus dem Talboden zu füttern. Unter diesen weiten Nahrungsflügen litt aber der Fortpflanzungserfolg. Durch das Aufhängen Hunderter Nistkästen an Hütten in der Ebene profitierten die Wiedehopfe von der Nähe zu ihrer Beute. Dank dieser Massnahme ist der Bestand der wichtigsten Population der Schweiz stark angestiegen.

Aber nicht jeder Einsatz ist von Erfolg gekrönt, wie das Aussterben des Ortolans vor Augen führt. Der drastische Zusammenbruch der Zahl singender Männchen löste umfangreichen Rettungsmassnahmen der letzten Schweizer Population aus. Diese basierten auf der Grundlage verschiedener Studien: Aussaat von Hafer, Beweidung der Landschaft mit Ziegen, gezielte Waldauflichtungen und kontrollierte Brandrodung. Leider reichte das nicht aus, um den Rückgang und schliesslich das Verschwinden der letzten Sänger aufzuhalten.

Der Einsatz für die Walliser Vogelwelt in den letzten 25 Jahren liefert zahlreiche wertvolle Erkenntnisse, gerade in einer sich ständig verändernden Umwelt. Kaum jemand hätte zu Beginn des Jahrhunderts, als die Zahl der Zwergohreulen in ihrer letzten Bastion auf einem Tiefpunkt war, auf einen Bestand von 75 Revieren im Kanton Wallis im Jahr 2025 gewettet. Neben dem Bereitstellen insektenreicher Grasstreifen profitiert die kleine, wärmeliebende Eule vom Klimawandel. Der Wiedehopf wiederum wird durch 600 für ihn aufgehängte Nistkästen gefördert, doch sein Überleben hängt weiterhin vom Zustand seines Lebensraums ab. In der Rhone-Ebene steht dieser aber unter Druck. Das Vordringen des Siedlungsraums zerstört dort jährlich 80 Hektar Landwirtschaftsland.

Weitere grosse Herausforderungen stehen an. Grossprojekte wie die dritte Rhone-Korrektion oder die Modernisierung der Weinberge werden die Landschaft des Wallis im nächsten Vierteljahrhundert prägen. Die Regionalstelle der Vogelwarte wird die Entwicklungen aufmerksam verfolgen, um sowohl Risiken als auch Chancen für Vögel und die Biodiversität frühzeitig zu erkennen. Dabei wird sie stets ein offenes Ohr für die Menschen vor Ort haben und in Verbindung mit den Akteuren und Entscheidungsträgern stehen, die das Gebiet und seine Lebensräume gestalten.

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Wiedehopf
Ortolan
Ziegenmelker
Zwergohreule