News - Medienmitteilung

Bartgeier im Aufwind

11. Februar 2025

Die Population des Bartgeiers in den Alpen wird sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, zeigt eine neue Studie. Schon durch wenige zusätzliche Todesfälle pro Jahr droht der Bestand des Bartgeiers aber wieder zu schrumpfen. Darum müssen Todesfälle durch Kollisionen, Vergiftungen, Abschüsse und Störungen verhindert werden.

Medienkontakt

Livio Rey
Schweizerische Vogelwarte
6204 Sempach
Tel. +41 41 462 97 14
livio.rey@vogelwarte.ch

Stiftung Pro Bartgeier
Dr. Daniel Hegglin
Geschäftsleiter
Tel. +41 79 352 75 46
daniel.hegglin@bartgeier.ch

University of Bern
Prof. Dr. Raphaël Arlettaz
Head of Division Conservation Biology
Tel. +41 79 637 51 76
raphael.arlettaz@unibe.ch

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Die Vogelwarte, die Stiftung Pro Bartgeier und die Abteilung Conservation Biology der Universität Bern haben eine Studie durchgeführt, um die Demografie des Bartgeiers in den Alpen besser zu verstehen. Was besonders erfreulich ist: Die Studie geht davon aus, dass sich unter den aktuellen Bedingungen die Alpenpopulation in zehn Jahren verdoppeln wird.

Diese Zunahme ist aber alles andere als gesichert: Schon bei nur neun zusätzlichen Todesfällen pro Jahr schrumpft der Bestand bereits wieder. Darum ist es besonders wichtig, potenzielle Todesursachen zu beseitigen. Dazu gehören Kollisionen mit Leitungen und Windenergieanlagen, Vergiftungen, illegale Abschüsse sowie Störungen am Brutplatz.

Früher als «Lämmergeier» verschrien, wurde der Bartgeier Anfang des 20. Jahrhunderts in den Alpen ausgerottet. Zu Unrecht, denn mittlerweile weiss man, dass er ein harmloser Aasfresser ist. 1986 schliesslich startete die Wiederansiedlung in den Alpen. Die erste erfolgreiche Brut in freier Wildbahn wurde 1997 verzeichnet.

Durch die Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen ist es gelungen, eine sich selbst erhaltende Population mit hohem Fortpflanzungserfolg und hoher Überlebenswahrscheinlichkeit zu etablieren. Mittlerweile leben wieder rund 350 Bartgeier in den Alpen. Um den fragilen Riesen in unserer Bergwelt auch in Zukunft bestaunen zu können, gilt es, ihm Sorge zu tragen.

QUELLE

Schaub, M., F. Loercher, D. Hegglin & R. Arlettaz (2024): Demographic assessment of reintroduced bearded vultures in the Alps: Success in the core, challenges in the periphery. Ecol. Solut. Evid. 5: e12347. https://doi.org/10.1002/2688-8319.12347.

BARTGEIER-AUSWILDERUNGEN IN DER SCHWEIZ

Der positiven demografischen Entwicklung des Bartgeierbestands in den Alpen steht eine geringe genetische Vielfalt in der Population gegenüber. Diese Situation birgt das Risiko von Inzucht. Um diesem entgegenzuwirken, wildert die Stiftung Pro Bartgeier Vögel aus einem internationalen Zuchtprogramm in der Schweiz aus. Damit werden neue genetische Linien in den Bestand gebracht. Die Schweizer Alpen bieten ideale Bedingungen für diese Massnahme. Dies belegt auch die aktuelle Studie. Die Überlebensraten und der Bruterfolg von Bartgeiern in der Schweiz und den angrenzenden Alpenregionen sind nämlich wesentlich höher als in den Randregionen des Alpenbogens.

UMFASSENDE INFORMATIONEN ZUR VOGELWELT

In unserer kürzlich aktualisierten Rubrik «Vögel der Schweiz» finden Sie detaillierte Informationen zu den über 400 Vogelarten der Schweiz. Der überarbeitete, neu gestaltete Ratgeberbereich hält Antworten, Hilfestellungen und praktische Tipps bereit zu häufig gefragten Themen rund um die Schweizer Vogelwelt: Zum Beispiel zur Kleinvogelfütterung, den Umgang mit hilfsbedürftigen Vögeln oder zu Gefahren für die Vogelwelt:
www.vogelwarte.ch/voegel-der-schweiz/
www.vogelwarte.ch/ratgeber/

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Vogelarten
Bartgeier
Der Bartgeier ist mit einer Spannweite von über 2,6 Metern der grösste Vogel der Alpen. Um ihn hielten sich in der Vergangenheit zahlreiche Märchen, wovon auch alte Trivialnamen wie «Rossgyr», «Gemsengeier» oder «Lämmergeier» zeugen. In der Schweiz wurde er bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aus K...
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