In den Hügeln von Saint-Gingolph VS mit Blick auf den Genfer See verändert sich der Wald. Seit 2019 setzen sich die Burgergemeinde und die Gemeinde Saint-Gingolph hier in einem ehrgeizigen Projekt ein, um einen historischen Kastanienhain wieder zum Leben zu erwecken. Der Druck von Buchen, Linden und anderen aufwachsenden Bäumen drohte, den Hain komplett zu überwuchern. Das Ziel war deshalb, die Baumkronen zu lichten, damit mehr Licht den Boden erreicht, und die halboffene, strukturreiche Landschaft wiederherzustellen, wie sie hier früher vorkam. Mittlerweile haben die Akteure gemeinsam bereits mehr als die Hälfte des 21 Hektar grossen Gebiets aufgewertet.
Die Vogelwarte unterstützt das Projekt sowohl finanziell als auch technisch im Rahmen ihres Programms «Aufschwung für die Vogelwelt». Über die Regionalstelle Wallis haben wir zunächst die Ausarbeitung eines Konzepts mit konkreten Massnahmen zur Förderung der Biodiversität im Kastanienwald begleitet. Seit 2020 organisieren wir zudem die Erfolgskontrolle dieser Massnahmen auf die Vogelwelt und führen alle zwei Jahre ornithologische Erhebungen im gesamten Projektgebiet durch. Die neuesten Ergebnisse sind ermutigend: Der Gesang des Gartenrotschwanzes erklingt wieder im Kastanienhain, während der Mittelspecht, der früher in der Region gar nicht vorkam, sich scheinbar dauerhaft neu angesiedelt hat. Auch die Population des unauffälligen Grauschnäppers nimmt zu. Die Rückkehr dieser für lichte Wälder typischen Arten ist ein vielversprechendes Zeichen, ebenso wie die generell zunehmende Artenvielfalt. So wurden im Jahr 2024 schon 40 Arten gezählt, bei der ersten Bestandsaufnahme im Jahr 2020 waren es erst 30.