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© Philippe Moret via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Jedes Jahr finden in mehr als zehn Städten an Gewässern grosse Feuerwerke statt, teilweise auch in der Nähe von Schutzgebieten. Für Feuerwerke gäbe es mittlerweile vogelverträglichere Alternativen, wie etwa geräuschlose Lichtershows.

News - Hintergrund

Fatale Feuerwerke

Dezember 2022

Feuerwerke dienen unserer Unterhaltung und sollen uns erfreuen. Dass sie sich aber negativ auf die Vogelwelt auswirken, und das auch langfristig, ist uns dabei oft nicht bewusst.

Seit langem werden Knallpetarden und Schreckschüsse gezielt als akustische Vogelscheuchen eingesetzt, zum Beispiel zum Schutz von Obstkulturen oder zur Verhinderung von Vogelschlag an Flugzeugen. Die Reaktionen von Vögeln auf gezielte Vertreibungsmassnahmen sind meist heftig. Dass aber auch Feuerwerke diese Wirkung haben, konnte in vollem Ausmass erst 2011 gezeigt werden. Ein niederländisches Forschungsteam konnte aufgrund von nächtlichen Radarmessungen nachweisen, dass Vögel panikartig auf Feuerwerke reagieren: Schlagartig mit dem Beginn des Neujahrsfeuerwerk befanden sich grosse Mengen an Vögeln in der Luft.

In einer Studie am Bodensee wurde der Effekt von Feuerwerken unter anderem mit Nachtsichtgeräten untersucht. Ein acht Minuten dauerndes Feuerwerk verscheuchte umgehend etwa 95 % der anwesenden 4 000 Wasservögel aus einem Naturschutzgebiet, und das für mehrere Tage. Auch am Zürichsee sind massive Reaktionen von Wasservögeln auf das Silvesterfeuerwerk dokumentiert. Dies dürfte im Winter zu einer Reduktion der Kondition durch Stress und folglich in Extremfällen zu lebensbedrohlichen Notlagen führen. Durch die Vertreibung können auch Folgeschäden entstehen und in der Panik sind selbst Kollisionen an Fassaden möglich.

Feuerwerke haben aber noch viele weitere Effekte auf Vögel: Mehrfach erlebte Feuerwerke verstärken die Sensibilität von Vögeln und führen zur Meidung der betroffenen Gebiete – sie gefährden somit Schutzziele von Vogelschutzreservaten. Im Sommer können Verluste bei Jungvögeln aufgrund von Feuerwerken auftreten. Die Küken von Nestflüchtern sind besonders gefährdet, wenn sie durch die Störung von ihren Eltern getrennt werden. Isoliert werden sie ausserdem leichter Opfer von Fressfeinden. Es ist zudem erwiesen, dass selbst geringere Störungen von Vögeln die Lebensdauer oder die Fortpflanzungsrate eines Individuums reduzieren, was langfristig zum Rückgang einer Population führen kann. Störungen können sogar die Artenvielfalt reduzieren.

Das primäre Problem für Vögel ist also nicht der direkte Kontakt mit Feuerwerkskörpern, die zu Verletzungen und Todesfällen führen könnten, sondern indirekte Effekte. Die grosse Störwirkung von Feuerwerken ist vor allem begründet durch die Lautstärke der Explosionsgeräusche, aber auch durch Lichteffekte und die Tatsache, dass es sich um Ereignisse handelt, die – anders als beispielsweise Gewitter – für die Tierwelt unvorhersehbar sind. Diese ausgeprägten Reaktionen scheinen alle Vogelarten zu zeigen. Es ist daher plausibel, dass Feuerwerke ein grossflächiges Problem für wildlebende Vögel darstellen. Aus Vogelschutzgründen sollte auf Feuerwerke im Umkreis von mehreren Kilometern um Feuchtgebiete mit grossen Vogelbeständen gänzlich verzichtet werden. Sommerliche Seenachtsfeste und Feuerwerke um den 1. August sind für Vögel besonders problematisch, weil sie in der Brutzeit stattfinden. Wo ein Feuerwerksverbot nicht durchsetzbar ist, können geräuschreduzierte Feuerwerke eine Alternative bieten: Bei Versuchen in wasservogelreichen Gebieten zeichnet sich ab, dass geräuschreduzierte Feuerwerke die Wasservögel weniger stören. Ob die inzwischen als Alternative angebotene Drohnenflugshows die Problematik für Vögel ebenfalls entschärfen, ist noch nicht untersucht.