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© Marcel Burkhardt

Die Kolbenente hat stark von saubereren Gewässern profitiert. Die rund 30 000 in der Schweiz überwinternden Individuen entsprechen etwa der Hälfte des europäischen Bestands!

News - Hintergrund

Jahrzehntelanger Einsatz für Wasservögel

Februar 2024

Die internationalen Wasservogelzählungen sind weltweit das langfristigste und grossflächigste Monitoringprogramm. Die Vogelwarte ist seit Beginn beteiligt und kann dank der über Jahrzehnte gesammelten Daten langfristige Entwicklungen aufzeigen.

Die Schweizer Seen und Flüsse sind meist die ersten eisfreien Gewässer, die nordische Wasservögel auf der Flucht vor der grimmigen Winterkälte ihrer Brutgebiete antreffen. Die Schweiz ist daher ein sehr wichtiges Gebiet für überwinternde Wasservögel. Von neun Wasservogelarten überwintern bei uns so viele Individuen, dass die Schweiz für diese Arten sogar eine internationale Bedeutung hat. Beispiele dafür sind Reiherente und Kolbenente.

Bereits vor langer Zeit erkannten Vogelschützer, wie wichtig Zählungen sind, um Bestandsveränderungen dokumentieren zu können. Im Winter 1950/51 wurden erstmals an Westschweizer Seen die Wasservögel gezählt. Bereits im folgenden Jahr rief die Vogelwarte dazu auf, möglichst viele Gewässer in der deutschen und italienischen Schweiz einzuschliessen. Die Schweiz gehört damit zu den ersten Ländern, die systematische Wasservogelzählungen durchführten. Jedes Jahr beteiligen sich schweizweit bis zu 500 Freiwillige. Manche von ihnen sind seit mehr als 30 Jahren dabei!

Die langjährigen Zählungen ermöglichen es, langfristige Entwicklungen aufzuzeigen. Bis in die 1990er Jahre stieg die Anzahl überwinternder Wasservögel stark an. Dies dürfte wesentlich durch die starke Zunahme der Wandermuschel bedingt gewesen sein, die einigen Enten als Nahrung dient. Nach einer Phase der Stabilisierung gehen die Bestände seit der Jahrtausendwende wieder zurück. Hauptgrund ist wohl der Klimawandel: Gewässer im Norden bleiben mittlerweile ganzjährig eisfrei, so dass es für die Wasservögel nicht mehr nötig ist, südwärts zu fliegen.

Dank der Wasservogelzählungen konnten auch die besonders bedeutsamen Winterquartiere identifiziert werden. Sie wurden 1991 schliesslich mit der Wasser- und Zugvogelverordnung (WZVV) unter Schutz gestellt. Die Zählungen bestätigen, dass sich der Schutz in WZVV-Gebieten lohnt: Die Wasservogelbestände nehmen in vielen Reservaten zu, und die überwinternden Wasservögel profitieren schon bei ihrer Ankunft im Herbst von der grösseren Ruhe. Dennoch: Rund ein Drittel dieser wichtigen Gewässerabschnitte steht leider nach wie vor nicht unter Schutz, und selbst Schutzgebiete sind durch die zunehmenden Freizeitaktivitäten der Menschen an und auf den Gewässern unter Druck. Umso wichtiger ist es, zu den bestehenden Schutzgebieten Sorge zu tragen und die dort geltenden Regeln zu respektieren. So kann die Schweiz auch in Zukunft ihrer internationalen Bedeutung für überwinternde Wasservögel gerecht werden.

BETROFFENE VOGELARTEN

Kolbenente
Reiherente