Aufmerksame Naturforschende haben seit vielen Jahrzehnten Massenwanderungen von Insekten beobachtet und dokumentiert, besonders über Bergpässen. Dies motivierte später Wissenschaftler dazu, Fallen am Boden, aber auch mit Ballons in der Luft zu installieren, um das Ausmass des Insektenzugs und die beteiligten Arten zu erforschen. Aber Fallen und Sichtbeobachtungen liefern nur einen winzigen Ausschnitt des Geschehens.
Aufgrund ihrer geringen Grösse ist das Verfolgen einzelner Insekten sehr schwierig, und die Technologien erlauben bisher leider nur eine kleinräumige Aufzeichnung von Wanderungen. Seit einigen Jahren setzen Forschende, auch an der Vogelwarte, vermehrt auf Radartechnologie, die es ermöglicht, Insekten rund um die Uhr zu erfassen: Anzahl, Flugrichtung, Geschwindigkeit, Höhe – bis zu 500 m über dem Radar – und sogar die Flügelschlagfrequenz der Tiere. Ein solches Radargerät steht seit einigen Jahren auch auf dem Dach der Vogelwarte, und weitere in der Schweiz und auf dem ganzen Kontinent. Sie überwachen die Bewegungen von fliegenden Tieren wie Insekten, Vögeln und Fledermäusen. Gemeinsam mit Forschungsinstituten aus ganz Europa blickt die Vogelwarte inzwischen erstmals im grossen Massstab auf das Wanderverhalten von Insekten.