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Vögel vor Stromtod schützen

August 2018

Gefährlich konstruierte Masten von Mittelspannungs-Freileitungen bergen für Vögel eine tödliche Gefahr. Zwar konnten mittlerweile etliche gefährliche Masten saniert werden, doch es bleibt noch viel zu tun. Stromschlag können Vögel auch an Fahrleitungen der Bahn erleiden. Diese Gefahr soll nun ebenfalls beseitigt werden.

Für Vögel mit grosser Flügelspannweite sind Mittelspannungsmasten ohne Isolation gefährlich. Je nach Konstruktionstyp können Vögel bereits ab Falkengrösse betroffen sein. Wenn ein Vogel zwei stromführende Elemente oder von seinem geerdeten Sitzplatz auf dem Mast aus ein stromführendes Element berührt, wird ein Kurz- bzw. Erdschluss ausgelöst. Für den Vogel enden beide Szenarien in der Regel tödlich.

Besonders gefährdet sind Uhu und Weissstorch, beides Prioritätsarten für die Artenförderung. Eine Studie der Universität Bern zeigte, dass Stromschlag für die Hälfte aller durch den Menschen verursachten Todesfälle von Junguhus verantwortlich war. Der Uhubestand im Wallis könnte sich ohne Todesfälle an Mittelspannungsmasten innerhalb von acht Jahren verdreifachen. Im Kanton Graubünden hätte es Platz für doppelt so viele Uhureviere, wie die aktuell 25–35. Auch bei 19 % der beringten Weissstörche, die in der Schweiz tot aufgefunden worden waren, wurde Stromschlag als Todesursache angegeben. Der Handlungsbedarf ist also gut belegt.

Welche Masttypen gefährlich sind, ist bekannt, die Massnahmen ebenso. Die Vogelwarte hat weitere Grundlagen erarbeitet: Sie hat die prioritären Regionen für die Sanierung des Mittelspannungsnetzes für die beiden Arten Uhu und Weissstorch in der Schweiz identifiziert und im Engadin mit Partnern sowie im Kanton Wallis die gefährlichen Mittelspannungsmasten inventarisiert. Diese Inventare umfassen über 250 bzw. rund 1500 Mittelspannungsmasten. In beiden Regionen sind Netzbetreiber aktiv geworden. Im Engadin haben sie mittlerweile knapp ein Fünftel aller Masten saniert, von den besonders gefährlichen Masten gut die Hälfte. Dies hat dort erfreulicherweise bereits zu einer Reduktion der Stromopfer geführt. Die Sanierung von gefährlichen Mittelspannungsmasten sollte nun flächendeckend in weiteren Regionen erfolgen.

Nun auch die Bahn

Die Vogelwarte nimmt im Engadin in Zusammenarbeit mit der Rhätischen Bahn (RhB) nun auch die Fahrleitungen und Oberleitungen der Bahn ins Visier. Dass Uhus hier neben Kollisionen mit dem Zug auch Stromschlag an den Fahrleitungen erleiden können, zeigten Opfer mit Verbrennungen.

In Zusammenarbeit mit Vertretern der RhB hat David Jenny von der Vogelwarte in einem ersten Schritt exemplarisch bei neun Fahrleitungsmasten in der Nähe von Uhubrutplätzen im Sommer und Herbst 2017 Fotofallen montiert. Insgesamt konnten fast 400 Fotos ausgewertet werden. Neben Turmfalken, Waldohreulen, Alpendohlen und anderen Rabenvogelarten zeigen einige Bilder auch Uhus. Aufgrund der Fotoauswertung wurden Massnahmen vorgeschlagen. Die Rhätische Bahn will im September mit der Sanierung der ersten Fahrleitungsmasten beginnen. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Schliesslich sollte nicht nur die Stromproduktion sondern auch der Stromtransport umweltfreundlich erfolgen.